project/9999
Meine Bachelor- und Masterarbeit
Meine Bachelor- und Masterarbeit
Vor langer Zeit habe ich zu meinem Studienabschluss in Materialwissenschaften zwei Arbeit verfasst.
Abstrakt Bachelorarbeit
Ziel dieser Arbeit ist es ein Verfahren/ein Softwareprogramm zu entwickeln, welches die Durchmesser und den Ort von kreisrunden oder elliptischen Härteabdrücken in digitalen Bildern bestimmt. Die Software sollte Teil eines Härteprüfverfahrens sein. Dabei wird eine Sintermetallkugel in ein Material gedrückt und die Härte durch das Verhältnis von Eindruckfläche zu Eindruckkraft ermittelt. Als sehr erfolgreich hat sich die Verwendung des Daugman-Integro-Differential-Operators und des Template Matchings herausgestellt.
Abstrakt Masterarbeit
Zum ersten Mal konnte kubischer gemischt dotierter Li7- 3(x+y)GaxAlyLa3Zr2O12 Granat mit unterschiedlichen Aluminium- und Galliumverhältnissen hergestellt werden. Die Löslichkeit von Gallium war höher vergleichen zu Aluminium. Anhand von High-Field NMR Untersuchungen (21 Tesla) konnte die bisher in der Literatur beobachtete Single-Resonanz in zwei separate Signale aufgespalten werden. Die Resonanzen korrespondieren zu 4-fach koordinierten kristallographischen Positionen, 24d und 96h. Die Flächenverhältnisse der Resonanzen sind direkt proportional zur Besetzungskonzentration und zeigen dass sich Ga ähnlich dem Al verhält. Da die höhere Leitfähigkeit der Ga haltigen LLZO Proben auf die unterschiedlichen Platzpräferenzen zurückgeführt wurde, stellt diese Arbeit die Signifikanz dieser These in Frage. Der Zusammenhang zwischen der Platzpräferenz und der Li-Ionen-Diffusivität soll mittels 7Li MAS NMR untersucht werden und wird Ziel einer weiterführenden Arbeit sein.
| Datei | Größe | Beschreibung |
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bachelor-thesis.pdf
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6.965 MB | Bachelorarbeit |
master-thesis.pdf
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4.203 MB | Masterarbeit |
Masterarbeit
Deckblatt Masterarbeit
Masterarbeit
Masterstudium Materialwissenschaften
Die Gitterplatzpräferenz von Aluminium und Gallium in gemischt dotierten Li7La3Zr2O12 Granat-(LLZO) Mischkristallreihen
19.12.2014
aus dem Fach
Materialwissenschaften
zur Erlangung des akademischen Grades
Dipl. Ing./MSc der Materialwissenschaften
an der Paris Lodron Universität Salzburg
eingereicht von
Christian Arrer, B Eng.
Matrikelnummer:
0630841
Betreuer:
O. Univ. Prof. Dr. rer. nat. Georg Amthauer,
Dr. techn. Mag. rer. nat. Daniel Rettenwander
Salzburg, Dezember, 2014
Abstrakt
Zum ersten Mal konnte kubischer gemischt dotierter Li7- 3(x+y)GaxAlyLa3Zr2O12 Granat mit unterschiedlichen Aluminium- und Galliumverhältnissen hergestellt werden. Die Löslichkeit von Gallium war höher vergleichen zu Aluminium. Anhand von High-Field NMR Untersuchungen (21 Tesla) konnte die bisher in der Literatur beobachtete Single-Resonanz in zwei separate Signale aufgespalten werden. Die Resonanzen korrespondieren zu 4-fach koordinierten kristallographischen Positionen, 24d und 96h. Die Flächenverhältnisse der Resonanzen sind direkt proportional zur Besetzungskonzentration und zeigen dass sich Ga ähnlich dem Al verhält. Da die höhere Leitfähigkeit der Ga haltigen LLZO Proben auf die unterschiedlichen Platzpräferenzen zurückgeführt wurde, stellt diese Arbeit die Signifikanz dieser These in Frage. Der Zusammenhang zwischen der Platzpräferenz und der Li-Ionen-Diffusivität soll mittels 7Li MAS NMR untersucht werden und wird Ziel einer weiterführenden Arbeit sein.
Danksagung
An erster Stelle möchte ich mich bei meinem Betreuer Dr. Daniel Rettenwander (Fachbereich Materialwissenschaften und Physik der Paris Lodron Universität Salzburg) für die Stellung des Themas und die Betreuung im Rahmen der Diplomarbeit und besonders der Umsetzung der NMR Messungen durch die TU Graz bedanken.
Besonderer Dank gilt auch meinem Betreuer Herrn Univ.-Prof. Der Georg Amthauer (Fachbereich Materialwissenschaften und Physik der Paris Lodron Universität Salzburg) für die Unterstützung und Anleitung in allen Bereichen der Diplomarbeit.
Damit gilt mein Dank auch Herrn Prof. Martin Wilkening (Christian Doppler Labor für Lithiumionenbatterien an der TU Graz) für die Messung und Unterstützung der Auswertung der NMR Spektren.
Erklärung
Ich versichere hiermit, dass die vorliegende Masterarbeit selbstständig verfasst wurde und keine weiteren als die angegebenen Hilfsmittel benutzt sowie die Stellen der Arbeit, die in anderen Werken dem Wortlaut oder dem Sinn nach entnommen sind, durch Angaben der Quellen sichtbar gemacht wurden. Zitate am Ende eines Absatzes haben den gesamten Absatz als Geltungs-bereich. Bei hochgestellten Zahlen „x“ handelt es sich um Fussnoten, bei Zahlen in „[x]“ um Zitate.
Inhalt
- Abstrakt
- Danksagung
- Erklärung
- Inhalt
- 1 Einleitung
- 2 Methoden
- 3 Ergebnisse
- 4 Diskussion
- 5 Konklusion
- 6 Literaturquellen
-
7 Appendix - NMR
-
7.1 Kerndrehimpulsresonanz
- 7.1.1 Kerndrehimpuls
- 7.1.2 Wechselwirkung und Zemann-Aufspaltung
- 7.1.3 makroskopische Magnetisierung
- 7.1.4 kontinuierliches Messverfahren
- 7.1.5 Impulsmessverfahren
- 7.1.6 Signalverarbeitung
- 7.1.7 Linienverbreiterung
- 7.1.8 NMR-Spektren
- 7.1.9 zwei dimensionale NMR-Spektren
- 7.1.10 magischer Winkel (magic angle spinning)
- 7.1.11 Quadrupol-Kerne
- 7.1.12 Assymetrieparameter
-
7.1 Kerndrehimpulsresonanz
- 8 Appendix - Proben Präparation REM
1 Einleitung
1.1 Lithiumbatterien
Aufladbare Lithium-Batterien sind wichtige Energiequellen für eine Vielzahl von tragbaren Elektrogeräten. Des Weiteren wird die nächste Generation von elektrischen Automobilen mit Lithium-Zellen angetrieben werden. Daher sind schnelle Lithiumleiter für die Industrie von großer Bedeutung. Momentan werden in den Lithium-Batterien flüssige, polymerbasierte Elektrolyte verwendet, diese weisen aber eine Vielzahl an, wenn nicht auch potentiell gefährlichen, Nachteilen auf, wie Dendriten-Bildung, Auslaufen und Entzündbarkeit. Eine Möglichkeit diese Probleme zu umgehen ist die Verwendung von Feststoffelektrolyten. Dabei stellte sich heraus, dass Lithiumoxid-Granate eine sehr hohe Lithiumionenleitfähigkeit zeigen und darüber hinaus thermisch, chemisch sowie elektrisch sehr stabil sind. [1], [2]
Lithiumbatterien sind momentan für die Speicherung elektrischer Energie sehr wichtig. Kathode und Anode sind durch die Elektrolytsubstanz getrennt. Die Anode besteht z. B. aus Graphit, das im geladenen Zustand Lithium eingelagert hat. Als Kathodenmaterial wird meistens ein Übergangsmetallschichtoxid, wie z.B. LiCoO2, verwendet. Der Nachteil dieses Materials ist unteranderem die niedrige Energiedichte, die geringen Ladezyklen und die Reaktion mit dem Elektrolyten. Der Elektrolyt dient hauptsächlich zur Separation der ionischen und elektronischen Leitfähigkeit, hier wird meist in Polyethylene gelöstes LiBF6, LiPF6 und LiCF3SO3 verwendet. [3], [4]
1.1.1 Feststoffelektrolyte
Feststoffelektrolyte ermöglichen unter Anderem auch die Miniaturisierung von Batterien. Die wichtigsten Charakteristika dieses Elektrolyttypes sind: [3]
- Es ist eine Leitfähigkeit bis zu 10-2 S/cm theoretisch möglich. Die ionische Transferzahl ist fast 1, das heißt die Selbstentladung ist gehemmt und das Material ist fast ein ausschließlicher Ionenleiter. [3], [5], [6], [7]
- Die chemische Stabilität gegen die Einflüsse der Batteriekomponenten, wie Anode und Kathode ist gegeben. [3], [5], [6], [7]
- Die Produktionstechnik von dünnen Schichten ist möglich. [3], [5], [6], [7]
- Die Produktherstellung, die -verwendung und das -recycling ist umweltfreundlich. [3], [5], [6], [7]
Als alternative Elektrolyte zu LLZO kommen die folgenden Materialien in Frage:
- LLT: La(2/3)-xLixTiO3 [3], [5], [6], [7], [8]
- Li-β-Al2O3 [3], [5], [6], [7], [8]
- Li3N [3], [5], [6], [7], [8]
- Li4SiO4 [3], [5], [6], [7], [8]
- Li5La3Nb2O12, Li5La3Ta2O12 [3], [5], [6], [7], [8]
Wobei LLT die höchste Ionenleitung von bis zu 1 10-3 S/cm erreichen kann. LLT hat aber einige Nachteile, wie schlechte chemische Stabilität mit Lithiummetall und Lithiumlegierungen, sowie eine hohe Korngrenzen- und Elektrodenimpedanz. [3], [8] Li3N hat eine niedrige Elektrolysespannung von 0.44 V und löst sich dadurch leicht selbst auf. Li-β-Al2O3 ist anfällig für Feuchtigkeit und Kohlenstoffoxide und wird dadurch passiviert. Außerdem zeigt Li-β-Al2O3 eine richtungsabhängige Ionen-Leitfähigkeit. [3], [5], [6], [7], [8] Andere Granate wie z.B.: Li5La3Nb2O12 oder Li5La3Ta2O12 zeigen auch eine sehr hohe Ionen- Leitfähigkeit von bis zu 10-6 S/cm. [9], [10], [1]
Thangadurai et al. haben 2003 die hohe Leitfähigkeit der Granatstruktur bei den Strukturtypen Li5La3Nb2O12 und Li5La3Ta2O12 berichtet. Seit diesem Jahr sind die Publikationen bis ins Jahr 2013, also ein Jahrzehnt später kontinuierlich von 1 auf bis zu 30 pro Jahr angestiegen. [1] Cussen et al. haben 2010 eine Review- Arbeit über Lithium „stuffed“ Granate veröffentlicht. [3], [11]
1.2 Granate
Granate sind kubische Minerale und verwandte anorganische Verbindungen mit der allgemeinen Formel X3Y2Z3O12. Als Granate bezeichnet man also eine Klasse von Verbindungen, welche Struktur-ähnlich sind. Grundsätzlich ist Granat ein Metalloxid oder -fluorid. Über die Hälfte der Atome im Periodensystem kann in der Granatstruktur als Kation auftreten. Manche davon jedoch nur in synthetischen Granaten.
Die Granatstruktur wurde erstmals 1928 vom Kristallographen und Mineralogen Georg Menzer gelöst. Er löste die Struktur von Grossular-Granat (Ca3Al2Si3O12) mit den damals verfügbaren Röntgenmethoden sowie von einigen der geläufigsten natürlichen Granaten. [12]
1.2.1 Granatstruktur
dieser Arbeit geht es um synthetische Lithium-Lanthan-Zirkon-Oxid Granate (LLZO) mit der Formel Li7La3Zr2O12 und mit der kubischen Raumgruppe Ia3d. Anhand dieses Vertreters der Granate soll nun die Struktur erläutert werden. [13]
Die Granatstruktur besitzt zwei Polymorphe-Modifikationen, eine kubische Hochtemperaturphase mit der Raumgruppe Ia3d und eine tetragonale Tieftemperaturphase mit der Raumgruppe I41/acd, die bei Raumtemperatur stabil ist. In der allgemeinen Granatformel X3Y2Z3O12 entspricht X einem Ion auf der 24c Position mit der Punktsymmetrie 222 (z. B.: La3+), Y einem Ion auf der 16a Position mit der Punktsymmetrie 3 (z. B.: Zr4+) und Z einem Ion auf der 24d Position mit der Punktsymmetrie 4 (z. B.: Li+). [13]
Die Granatstruktur besteht aus Ketten eckenverknüpfter XO4-Tetraeder und YO6-Oktaeder (Abbildung 1). Z ist von 8 Sauerstoffatomen umgeben und befindet sich in einem Dreieck-Dodekaeder. (Dies ist ein platonischer Körper mit 12 Dreiecken als Begränzungsfläche. Man erhält ihn durch die Teilung der Würfelflächen in jeweils zwei Dreiecke (Abbildung 2).) [13]
Abbildung 1 zeigt Sauerstoffatomen, zu einem gewissen Grad deformiertes, Gerüst aus Sauerstoffatomen, in das die Metallkationen eingelagert werdenl. Zirkon besetzt den Oktaederplatz Y (16a) und Lanthan den verzerrten Würfel X (24c). Li kann 3 verschiedene Gitterpositionen besetzen: die Tetraeder Z (24d), die Tetraeder (96h) und 6-fach koordinierte Positionen 48g (siehe auch Abbildung 4). Die Daten der in dieser Arbeit wichtigen Ionen sind in folgender Tabelle 1 angegeben:
| Element | Oxidation-Stufe | Ionenradius [Å] |
|---|---|---|
| Lithium | +1 | 0.59 (4), 0.76 (6), 0.92 (8) [14] |
| Lanthan | +3 | 1.03 (6), 1.10 (7), 1.16 (8) [14] |
| Zirkonium | +4 | 0.59 (4), 0.66 (5), 0.72 (6) [14] |
| Sauerstoff | -2 | 1.38 (4), 1.40 (6), 1.42 (8) [14] |
| Aluminium | +3 | 0.39 (4), 0.48 (5) 0.53 (6) |
| Gallium | +3 | 0.47 (4), 0.55 (5) 0.62 (6) |
In der nachfolgenden Abbildung 3 sind die sind die Positionen der Elemente aus Tabelle 1 im Periodensystem eingezeichnet:
1.2.2 wichtige Li-Oxid-Granate
Die kubische Phase hat die Raumgruppe Ia3d, während die tetragonale Phase in der Raumgruppe I41/acd kristallisiert. In der kubischen Granatzelle sitzen die Sauerstoffatomen auf den allgemeinen Lagen 96h und die Kationen auf den speziellen Lagen: X auf 24c, Y auf 16a (Zr4+) und Z auf 24d (Li+) Um den notwendigen Ladungsausgleich zu gewährleisten, müssen Li-Ionen eingebaut werden, die zusätzlich spezielle Lagen bestzen: 48g und 96h. Dies wurde durch Neutronen- und Röntgenbeugung soweit bestätigt. [15] 24d-Tetraeder, 96h-Tetraeder und 48g-Oktaeder bilden ein dreidimensionales Netzwerk von Kanälen für die Diffusion der Li-Ionen, d.h. für die Li-Ionenleitung (siehe Abbildung 4). Also hat man es meistens mit Lithium-„überfüllten“ Granaten zu tun, die einen Li-Gehalt von 4, 5, 6 oder 7 Li pfu haben. Diese bezeichnet man dann eben als "stuffed"/"gestopft". Die partielle Besetzung aller drei Plätze führt zu Unordnung und Leerstellen, wobei letzeres für Lithiumdiffusion in Festkörpern notwendig ist. Ein sehr hoher Lithiumgehalt bedeutet nicht unbedingt eine hohe Leitfähigkeit.
Der Lithiumgehalt auf den Punktlagen kann je nach Lanthangehalt variieren. Durch gezielten Einbau verschiedener Ionen kann man unterschiedlich „gestopfte“ Granate erzeugen. Eine kurze Auflistung mit Berücksichtigung der Struktur folgt jetzt. Dabei wird je nach Lithiumanteil in Gruppen eingeteilt:
- Li3-Phasen: Li3{Y,Pr,Nd,Sm-Lu}3Te2O12 [3]
- Li5-Phasen: Li5La3{Nb,Ta,Sb,Bi,In}2O12 [3]
- Li6-Phasen: Li6{Mg,Ca,Sr,Ba}La1{Nb,Ta}O12 [3]
- Li7-Phasen: Li7La3Zr2O12 (LLZO): Diese Phase ist für diese Arbeit wichtig. Geiger et al. [17] und Buschmann et al. [18] haben 2011 die Stabilisierung der kubischen Phase bei Zimmertemperatur durch den Einbau von Aluminium festgestellt. In der kubischen Phase sind die Positionen 24d, 96h und 48g statistisch jeweils zu rund 1/3 mit Lithium besetzt. Eine Besetzungsverteilung für die aufgezählten Granate sowie deren Leitfähigkeit liefert Abbildung 5. [3]
Wie bereits erwähnt, lässt sich die kubische Phase durch Dotierungsatome wie Aluminium stabilisieren. Dies ist auch mit Gallium möglich. Dazu werden im Folgenden die wichtigsten Arbeiten über die Dotierung mit Aluminium und Gallium zusammengefasst.
1.3 Dotierung mit Aluminium
In diesem Abschnitt werden die wichtigsten Arbeiten über die Dotierung mit Aluminium zusammengefasst. Der Fokus liegt auf den verwendeten Syntheserouten und den untersuchten kristallchemischen Eigenschaften. Bei den relevanten Arbeiten handelt es sich um Geiger et. al, 2011 [17], (1.3.1), Buschmann et. al, 2011 [18], (1.3.2), Düvel et. al, 2012 [22], (1.3.3), Hubaud et. al, 2013 [23], (1.3.4) und Rettenwander et. al, 2014 [16], (1.3.5).
1.3.1 Geiger et al. 2011 [17]
Al dotierte LLZO Proben werden zunächst durch Sintern von LiCO3 bei 573 K und der Oxide La2O3 und ZrO2 bei 1273 K in Keramik-Tiegeln sowie durch anschließendes Sintern einer Tablette im stöchiometrischen Verhältnis bei 1073 K hergestellt. Nach erneutem Mahlen wird eine Tablette gepresst und diese bei Temperaturen zwischen 1173 K und 1373 K in Platin- oder Goldkapseln gesintert. Die Mikrosonden Analysen der LLZO Körner weisen Al2O3 auf, welches höchstwahrscheinlich durch ein korrosives Gemisch aus LiOH und Li2CO3 aus dem Tiegel gelöst wurde, in die Probe diffundierte und zur Stabilisierung der kubischen Phase führte. An den Korngrenzen der Granate werden LaAlO3 Phasen gefunden. [17]
Die kristallographische Verteilung der Ionen Al3+ wurde mit 27Al MAS NMR und 27Al MQMAS NMR untersucht. Die Resonanz bei 11.8 ppm wurde einem 6-fach koordinierten Aluminum in der Nebenphase LaAlO3 zugeordnet. Die Resonanz bei 68-70 ppm wird aufgrund des niedrigen Asymmetrieparameters (η = 0.0 – 0.1) dem Aluminium auf der Tetraederposition (24d) zugeordnet. Die Resonanz bei höherer Frequenz, 78-81 ppm, wird des sehr großen Asymmetrieparameters (η = 0.7) der 96h Position zugeordnet. Die NMR-Spektren und die NMR Parameter sind Abbildung 6 und Tabelle 2 dargestellt. [17]
| Position | Phase | δ* [ppm] | CQ** | ηQ*** |
|---|---|---|---|---|
| 6-fach | LaAlO3 | - | - | - |
| 24d | LLZO-Granat | 68 | 5.0-5.2 | 0.0-0.1 |
| 96h | LLZO-Granat | 81 | 3.3 | 0.7 |
Die Ionendynamik des Lithiums wurde mit 6Li NMR sowie 7Li NMR untersucht. Dabei konnte beobachtet werden, dass nur die breitere Resonanz im 7Li MAS NMR, sowie eine schmälere im 6Li MAS NMR auftritt. [17]
1.3.2 Buschmann et al. 2011 [18]
Die Synthese von LLZO mit 0.0 wt-%, 0.5 wt-% und 0.9 wt-% Aluminium wird mit Oxiden und Karbonaten in mehreren Temperatur- behandlungsschritten unter Verwendung eines Al-freien Probenträgers bzw. eines Al2O3 Probenträgers durchgeführt. Bei einem Gehalt von 0.5 Gewiichtsprozent Al2O3 werden die kubissche sowie die tetragonale Phase in einem Gemissch erhalten. Ab 0.9 %-wt Al3+ ist LLZO rein kubisch. [18]
Die kristallographische Position von Al3+ wird mittels 27Al MAS NMR bestimmt, siehe Abbildung 7 (l). Die Resonanz bei 12 ppm wird dem Alluminium in der Nebenphase LaAlO3 zugeordnet, welche beim Sintern entsteht. Diie Resonanz bei 62-64 ppm wird der 24d Position und die Resonanz bei 78-79 ppm einer weiteren nicht näher spezifizierten vierfach koordinierten Position zugeordnet. 70% des Aluminiums befinden sich in der 24d Position. [18]
Die Auswertung der Röntgenbeugungsdiagramme der Probe mit 0.9 wt-% Aluminium mit Hilfe der Rietveldmethode ergab einen Anteil von 1.8 wt-% Lithiumkarbonat. Die Residuen der berechneten Röntgendiffraktogramme konnten durch Aluminium an der 24d Stelle nicht verbessert werden. Die Erhöhung der Temperatur führt zu einer Erhöhung des atomaren Verschiebungsparameters von Lithium auf 24d um 70% und von Lithium auf 96h um 50%. Dies ist ein Anzeichen für eine dynamische Ordnung die mit der statischen überlagert. In den Precession- Elektronenbeugungsdiagrammen ist eine Anomalie zu erkennen; diese Anomalie kann durch den hohen atomaren Verschiebungsparameter der Lithiumatome verursacht worden sein. Die Mobilität der Li-Ionen wird durch 6Li NMRSpektroskopie bestätigt. Die Resonanz zeigt starke Erhöhung des Lorentz-förmigen Anteils in der Linienform mit zunehmender Temperatur (Abbildung 7 (r)). Die ionische sowie elektronische Leitfähigkeit von mit 0.9 wt-% Al-dotiertem LLZO wurde mit AC/DC-Impedanzspektroskopie bestimmt. Aus dem Arrheniusplot wurde die Aktivierungsenergie der Lithiumdiffusion bestimmt. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 aufgelistet. [18]
| Aluminium [wt-%] | Aktivierungsenergie [eV] | ionische Leitfähigkeit [S/cm] | elektronische Leitfähigkeit [S/cm] | Transferzahl |
|---|---|---|---|---|
| 0.5 | 0.34 | - | - | - |
| 0.9 | 0.34 | 3 10-4 | 5 10-12 | 1 |
| 0.0 | 0.49 | - | - | - |
Aus den Daten kann man eine fast ausschließliche Ionenleitung, sowie eine sehr günstige Aktivierungsenergie der Diffusion erkennen. (Die ionische Transferzahl ist rund 1 in Tabelle 3) [18]
1.3.3 Düvel et al. 2012 [22]
Die erhöhte Symmetrie der kubischen Phase ist nicht der alleinige Grund für die höhere Leitfähigkeit. Die Erhöhung der Leitfähigkeit wird auch durch die im Gitter entstehenden Leerstellen bei der Dotierung erreicht. [22], [24]
Es wird eine „weiche“ Synthese durchgeführt. Das bedeutet es wird die Methode des Hochenergiekugelmahlens benutzt. Dabei können relativ niedrige Synthesetemperaturen von 773 K oder 873 K verwendet werden, wodurch kein Lithium abdampft. Synthetisiert werden insgesamt 3 Versuchs-Reihen mit der in der Tabelle 4 angegebenen Zusammensetzung. [20]
| Reihe | Zusammensetzung | Aluminiumanteil |
|---|---|---|
| A | Li7-3xAlxLa3Zr2O12 | x = 0.00,0.10,0.20,0.25,0.30,0.40,0.60,0.80,1.00,1.20 |
| B | Li7-3xAlxLa3Zr2O12 + 0.75 Li2O | x = 0.00,0.20,0.30,0.40,0.60,0.80,1.00,1.20 |
| C | Li7-3xAlxLa3Zr2O12 + 1.25 Li2O | x = 0.010,0.20,0.40,0.60,0.70,0.80 |
Beim Einbau von Aluminium kommt es zu einem aliovalenten und einem gemischten Dotierungsmechanismus. Unter dem aliovalenten Dotierungsmechanismus versteht man den Austausch von 3 Lithium Atomen gegen ein Aluminiumatom der Art: Al3+ ↔ 3Li+. In Abbildung 8 (o) links sieht man die erste Synthesereihe (Reihe A). – Bei x = 0.20 Aluminium deuten breite Peaks in den Röntgenbeugungsdiagrammen auf eine tetragonale Phase hin, bei höheren Werten bildet sich als Nebenphase La2Zr2O7. Die Nebenphase LaAlO3 bildet sich bei einem Anteil von x = 0.80, und die Nebenphase LiAlO2 bei einem Anteil von x = 0.60. Der Peak bei 64 ppm in den NMR-Spektren in Abbildung 8 (o) rechts wird dem aliovalenten Dotierungsmechanismus zugeordnet. Untermauert wird dies durch die Abnahme seiner Intensität, sobald sich Aluminium-haltige Nebenphasen ausbilden. [22]
In Abbildung 8 (o) rechts wird die Resonanz bei 78 ppm dem gemischten Dotierungsmechanismus La3+ ↔ Al3+ zugeordnet. Während die Resonanz bei 82 ppm durch den gemischten Dotierungsmechanismus Zr4+ ↔ Al3+ + Li+ erzeugt wird. Man erkennt in Abbildung 8 (o) rechts eine Zunahme der Peakintensitäten bei 78 und 82 ppm, sobald Nebenphasen den Granat an Lanthan und Zirkon abreichern. Dadurch konnte auf den gemischten Dotierungsmechanismus geschlossen werden. Die Resonanz bei 11-12 ppm wird der Nebenphase LaAlO3 zugeordnet. Die Resonanz bei 93 ppm wird nicht der Nebenphase La2Li0.5Al0.5O4 zugeordnet, sondern einer unbekannten Position im Granaten. [22]
Durch einen besseren Kontakt beim Hochenergiekugelmahlen durch das zusätzliche LiO2 wurden die Reihen B und C phasenreiner erhalten (Abbildung 8 (m) und (u) links). Bei Reihe B ist der Intensitätswechsel der Peaks bei 78 und 82 ppm von bei einer Erhöhung des Aluminiumanteils von x = 1.00 auf x = 1.20 interessant (Abbildung 8 (m)). [22]
Die Granatstruktur kann als Gitter und als ein See von Li+-Atomen gedeutet werden. Der aliovalente Dotierungsmechanismus beeinflusst das Gitter weniger, weil er nur Lithium ersetzt; im Kontrast dazu beeinflusst der gemischte Dotierungsmechanismus das Gitter stärker weil er Zirkon und Lanthan ersetzt. [22]
Trägt man die Halbwärtsbreite des 7Li NMR gegen die NMR Messtemperatur auf so erhält man ein MN-Diagramm. Am Wendepunkt kann man die Lithiumsprungrate ablesen. Man kann dann die Proben in schnelle (niedrieges TMN) und langsame (hohes TMN) Ionenleiter einteilen und feststellen, dass die schnellen Leiter einen intensiveren Peak bei 81 ppm haben, während die langsamen einen höheren Peak bei 78 ppm aufwiesen. [22]
1.3.4 Hubaud et al. 2013 [23]
Hubaud et. al beschreiben zum ersten Mal den Mechanismus des Einbaus von Aluminium in die kubische Phase aus der Verbindung Li5AlO4. Der Einbau und die Ionendynamik werden mit 27Al MAS NMR und Röntgenbeugung untersucht. [23]
Dazu führen die Autoren nasschemische Synthesen auf Stickstoffbasis durch (Metallnitrate und Zitronensäure als Komplexbildner). Die Untersuchungen starten mit einer LLZO Probe mit 0.3 Gew.% Aluminium. Am Anfang sind die Nebenphase La2Zr2O7 sowie diverse amorphe Aluminium-haltige Phasen an den Korngrenzen neben der eigentlichen Granatphase präsent; letzteres ist am breiten Hintergrund im 0-Stunden-Spektrum zwischen 100 und 70 ppm in Abbildung 9 (l) zu erkennen. Danach wird für verschiedenlange Zeiten bei 850°C rekristallisiert: 1 Stunde, 2 Stunden, 4 Stunden, 9 Stunden, 16 Stunden und 25 Stunden (Abbildung 9). [23]
Wie aus Abbildung 9 (r) ersichtlich kommt es nach verschiedenen Zeiten zu bestimmten Phasenumwandlungen. In Abbildung 9 (l) lässt sich eine kubische Ausgangsphase und eine LaAlO3 Nebenphase durch das Auftreten der Peaks bei 62 und 10 ppm für die Rekristallisationszeit von 0 Stunden erkennen. Zu dieser Zeit ist das Aluminium nicht komplett in den Granat eingebaut, aber es herrscht offenbar trotzdem überwiegend die kubische Struktur vor. Dies bestätigt auch der XRD Verlauf in Abbildung 9 (r).1 Nun treten folgende Ereignisse ein: [23]
- Nach einer Rekristallisation von 1 bzw. 4 Stunden entstehen Peaks bei 75 ppm und 91 ppm. Die Resonanz bei 91 ppm wird der Precursorphase Li5AlO4 zugeschrieben, während die 75 ppm Resonanz offenbar durch Aluminium in der tetragonalen LLZO Phase erzeugt wird. (Die XRD Daten dieser Rekristallisationszeiten zeigen die für die tetragonale Phase typische Peakaufspaltung. - Abbildung 9 (r)) [21]
- • Nach 9, 16 und 25 Stunden verschwinden die Resonanzen bei 75 und 91 ppm zu Gunsten der neu gebildeten Resonanz bei 62 ppm. Das Aluminium baut sich also langsam von der Precursorphase in die 24d Position des Granats ein. Bemerkenswert ist auch das einhergehende Verschwinden des Untergrundes. [23]
Eine durchgeführte 27Al MQ MAS NMR Messung gibt weiteren Aufschluss auf den Einbau des Aluminiums. Die Darstellung in einem zweidimensionalen Frequenzdiagramm „zerlegt“ den Peak bei 62 ppm in eine Resonanz bei 68.4 ppm (ηQ = 0.4, CQ = 4.8) und 73.5 ppm (ηQ = 0.13, CQ = 6.9). Der Aluminiumeinbau ist abgeschlossen, sobald sich ein Gleichgewicht in der Aluminiumverteilung im Granat gebildet hat. Davor hat man aber meistens verschiedene kubische Phasen, die sich leicht durch ihre Gitterparameter unterscheiden. Dies wurde als Grund für die zwei NMR-Resonanzen der 24d- Position angenommen. Hochauflösende Röntgenbeugungsmessungen untermauern diese These weiter, weil drei verschiedene kubische Phasen entdeckt wurden. Die Gitterparameter dieser Phasen folgen in Tabelle 5. [23]
| Nummer | Gitterparameter |
|---|---|
| 1 | 13.064 Å |
| 2 | 13.048 Å |
| 3 | 13.016 Å |
1.3.5 Rettenwander et al. 2014 [16]
Rettenwander et al. versuchen die Position des Aluminiums in der LLZO- Struktur mit DFT-Methoden fest zu stellen. Die NMR Resonanzen in den Bereichen 64-68 ppm, sowie 78-82 ppm, werden in der Literatur widersprüchlich zu Koordinationsumgebungen gerechnet und sollten eindeutig zugeordnet werden. [16]
Die energetisch günstigste Position von Aluminium in LLZO ist die 24d- Position. Aluminium kann auch auf die spezielle 96h-Position verschoben werden. Das Aluminium an der 96h Stelle ist vierfach koordiniert. Mittels DFTRechenmethoden wird die Platzbelegung des Aluminiums im schnellen Lithiumionenleiter der kubischen Struktur Li7-3xAl3La3Zr2O12 untersucht. Der Vergleich von 27Al MAS NMR Resonanzen zeigt, dass Aluminium die tetraedrisch koordinierte 24d Position und die vierfach koordinierte 96h Position besetzt. Die Platzenergien für die Aluminiumionen, die leicht vom Zentrum der kristallographischen Positionen (24d und 96h) verschoben sind, sind ähnlich und führen zu einer Verteilung von leicht verschiedenen lokalen Sauerstoffumgebungen. Deshalb werden breite 27Al MAS NMR Resonanzen beobachtet, welche durch verschiedene isotrope chemische Verschiebungen sowie Quadrupol-Kopplungskonstanten hervorgerufen werden. Aus energetischer Sicht gibt es einen Beweis, dass Aluminium auch 48g Position besetzten könnte. Eine entsprechende Resonanz ist in der NMR-Spektroskopie noch nicht beobachtet worden. [16]
In der nachfolgenden Abbildung 10 werden die Energieverteilungen der einzelnen Koordinationsumgebungen dargestellt.
Man erkennt eine symmetrische Verteilung des Al3+ für die Positionen 48g (hier wird nur eine Symmetriehälfte geplottet.) und 24d. Al3+ auf der Stelle 96h ist asymmetrisch verteilt. Aluminium hat auf der 24d-Position den stabilsten Zustand gefolgt von der 96h- bzw. 48g-Position. So ist die letzte Position (48g) wahrscheinlich instabil, weil sie die höchste potentielle Energie hat. Die 16a und 24c Stellen haben noch höhere potentielle Energien, sind aber in Abbildung 10 nicht eingezeichnet. [16]
1.3.6 Vergleich der Aluminiumartikel
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Aluminium an den 24d und 96h Positionen vierfach koordiniert wird und die Verzerrung des Koordinations- Tetraeders jeweils unterschiedliche Resonanzen und Asymmetrieparameter (η) erzeugen kann. Für die 24d Stelle, also die Resonanz bei 64-68 ppm, liegt der Asymmetrieparameter bei 0.1-0.4. Für Die 96h Stelle, also die Resonanz bei 78-82 ppm kann dieser Parameter zwischen 0.24 und 0.94 liegen. [16] Der Peak bei 10-12 ppm wird der Nebenphase LaAlO3 zugeordnet [17]. Beide Resonanzen zeigen eigentlich Quadrupolaufspaltung und je nachdem welche Position in den Vordergrund tritt kann sich die Leitfähigkeit erhöhen oder erniedrigen. [22] Unklar ist die Zuordnung des Peaks bei 90-92 ppm. – Düvel et al. sprechen von einer unbekannten Position im Granat, Hubaud et al. von der Nebenphase Li5AlO4.
In nachfolgender Abbildung 11 sind die verschiedenen NMR-Spektren Ergebnisse der einzelnen Arbeiten zusammengestellt:
Zusammenfassend stimmen die gemessenen Resonanzen für die 24d und die 96h Stellen mit den berechneten gut überein. Die unterschiedlichen Energien der unterschiedlichen Umgebungen erzeugen daher verschiedene Feld- gradiententensoren, welche sich durch unterschiedliche Quadrupolkonstanten und Asymmetrieparameter (η) (Definition, siehe Gleichung 1) auszeichnen. Dadurch kann je nach Temperatur, Synthesebedingung und Aluminiumgehalt eine gewisse Resonanz in den Vordergrund treten. Damit sitzen die Aluminiumatome auf leicht verschiedenen Positionen an den 24d und 96h Stellen. Aber die Besetzung der 48g Position wurde nicht experimentell nachgewiesen. Die Berechnungen und Daten der jeweiligen Autoren sind in Tabelle 6 augelistet: [16]
Gleichung 1
$C_{Q}\frac{eQV_{zz}} {h}...Quadrupolkopplungskonstante\\
h...Plankkonstante\\
e...Elementarladung\\
Q...Quadrupolkonstante\\
\eta =\frac{V_{xx}-V_{yy}}{V_{zz}}...Asymmetrieparameter\\
\left(\begin{matrix} V_{xx} & 0 & 0 \\
0 & V_{yy} & 0\\
0 & 0 & V_{zz} \end{matrix} \right)...diag. Feldgradiententensor$
| δ [ppm] | ηQ | Cq | Cq | Zuordnung |
|---|---|---|---|---|
| Geiger et al. | 68 | 0.0-0.1 | 5.0-5.2 | 24d |
| Geiger et al. | 81 | 0.7 | 3.3 | 96h |
| Buschmann et al. | - | - | - | - |
| Düvel et al. | - | - | - | - |
| Hubaud et al. | 68.4 (62) | 0.4 | 4.9 | 24d |
| Hubaud et al. | 73.5 | 0.13 | 6.9 | 24d |
| Rettenwander et al. | 64-68 | 0.1 | -0.8 | 24d |
| Rettenwander et al. | 78-82 | 0.24-0.94 | 1.3-3.3 | 96h |
1.4 Dotierung mit Gallium
Die Autoren Wolfenstine et al., 2011 [25], Howard et al., 2012 [25], Shinawi und Janek, 2013 [26], Rettenwander et al., 2014 [27] und Bernuy-Lopez et al., 2014 [28] haben sich mit der Dotierung durch Gallium beschäftigt. Gallium ist isoelektronisch zu Aluminium und steht im Periodensystem genau darunter. Desshalb fiel die Auswahl der Ko-Dotierung auf Gallium.
1.4.1 Wolfenstine et al. 2012 [25]
Galliumdotierung des Granat Li7La3Zr2O12 kann ebenfalls zur Stabilisierung der kubischen Phase bei Raumtemperatur führen. Zusätzlich kann dadurch eine hohe relative Dichte und eine hohe Lithiumleitfähigkeit bei Raumtemperatur erreicht werden. Kubische Li6.25La3Zr2Ga0.25O12 Pulver werden durch Ko-Fällung aus Nitraten synthetisiert und durch Heißpressen in Tabletten mit einer relativen Dichte von 91% geformt. Die gesamte Lithiumleitung ist 3.5 10-4 S/cm, während die elektronische Leitung bei 7.1 10-8 S/cm liegt. Proben gleicher Korngröße und relativer Dichte erreichen bei Galliumdotierung eine leicht höhere Leitfähigkeit als Proben mit derselben Menge an Aluminiumdotierung. Dieser Effekt kann möglicherweise durch die Größen-bedingte andere Platzverteilung des Galliums erklärt werden. [25], [30]
Der Einbau von Übergangsmetallen, wie z. b. Niob als Ersatz für Zirkon, kann sich schlecht auf die gesamte Leitfähigkeit auswirken, weil sich durch die verschiedenen Oxidationsstufen möglicherweise die ausschließliche Ionenleitung in eine kombinierte ionische und elektronische Leitfähigkeit umwandelt. [25] Weil es größer ist, sollte das Gallium den Gitterparameter stärker als das Aluminium erhöhen. Gallium fungiert zusätzlich als Sinterhilfe, und man erhält dadurch eine hohe relative Dichte2 von rund 91%. [25]
Bei der morphologischen Untersuchung der Probe zeigten sich die meisten Poren zwischen den Körnern. Es gibt keine Poren, welche in den Körnern selbst liegen. Bruchlinien ziehen sich aber durch die Körner hindurch und dies deutet eine hohe Pressung der Korngrenzen an, was zu einer hohen Korngrenzenleitfähigkeit führen könnte. Im Impedanzplot ist nur eine Linie mit einer Neigung von 45° zu erkennen; dies deutet in Übereinkunft mit anderen Autoren [31] auf ein fast vollständiges Verschwinden des Korngrenzenwiderstandes hin. Die Ionenleitfähigkeit liegt bei 2.5 10-4 S/cm, die elektronische Leitfähigkeit liegt bei 7.1 10-8 S/cm. Dadurch ergibt sich eine Ionentransportzahl von 1 und damit ist das Material ein fast ausschließlicher Ionenleiter.3 [25]
Um die Leitfähigkeit zwischen Aluminium und Gallium zu vergleichen werden die Messungen auf die Korngrößen und die Porosität der einzelnen Proben normiert.4 Klarer weiße wird ein gleicher Anteil an Aluminium und Gallium verwendet. Es resultiert eine leicht erhöhte Leitfähigkeit bei Galliumdotierung. Dies kann dann höchstwahrscheinlich durch die geringere Besetzung der 24d-Stelle durch das Gallium, sowie die größere Weitung des Gitters durch die größeren Galliumionen, begründet werden. [25]
2 Die relative Dichte ist der Quotient aus der geometrisch ermittelten
Dichte(Probengeometrie und Gewicht) und der Dichte der Elementarzelle.
3 Die Ionentransportzahl ist die ionische Leitfähigkeit geteilt dividiert durch die Summe
von elektrischer und ionischer Leitfähigkeit.
Leitfähigkeitsmessungen zeigten eine viel höhere Ionenleitung für die kubische Phase. Das bedeutet, dass die Galliumdotierung die kubische Phase stabilisiert und wie erwartet auch die Ionenleitung erhöht. Im Bereich der Raumtemperatur ist die Lithiumleitfähigkeit bei 1 10-4 S/cm und schwankt in diesem Bereich sogar zwischen 10-3 und 10-5 S/cm. Bei erhöhten Temperaturen von 400°C kann sogar eine Leitfähigkeit von 0.05 S/cm beobachtet werden. [26]
Sobald die Probe länger an der Luft steht, kommt es zu einem Einbau von H+ an den Lithiumstellen. Dadurch wird an diesen Stellen Li+ durch H+ ersetzt. Das Lithium verbleibt aber dennoch im Granat. Ein Aufheizen lässt die Gitterparameter ansteigen, anschließendes Abkühlen lässt sie überproportional abfallen. – Dies ist ein Indiz für den Verlust der H+ Ionen nach dem Heizschritt. Im Impedanzplot zeigen sich bei trockener Atmosphäre ein einziger Halbkreis, welcher dem Material selbst zugeordnet werden kann, sowie ein überlagerter Halbkreis, welcher dem Korngrenzenwiderstand zugeordnet wird. Dieser verschwindet aber bei nasser Atmosphäre zunehmend, was eine Einlagerung von H+ bedeutet, welche den Korngrenzenwiederstand herabsetzt. [26]
1.4.2 Howard et al. 2012 [26]
Die synthetisierte Verbindung Li5.5La3Zr2Ga0.5O12 wird durch Gallium in der kubischen Phase stabilisiert. In einer Referenzprobe ohne Gallium wird im XRPD-Diagramm aufgrund der Peakaufspaltung auf die tetragonale Symmetrie geschlossen. [26] Im 71Ga MAS NMR-Spektrum beobachtet man eine Resonanz bei 221 ppm, die dem Gallium auf der 96h-Position zugeordnet wird. (Abbildung 12).
Es zeigt sich in der kombinierten Auswertung von Neutronenbeugungs- und Röntgenbeugungsdaten, dass das Gallium ausschließlich die 96h Position besetzt, d.h. dies sind 1/6 aller 24d-Stellen. Mit der Annahme das Ga sich nicht in der 48g Position aufhält wird in der kombinierten Rietveldverfeinerung der Neutronenbeugungs- und Röntgenbeugungsdaten das beste Ergebnis erzielt. Lithium verteilt sich so, dass rund 0.79 pfu auf der 24d Stelle und 4.71 pfu auf der 96h Stelle vorhanden sind. [26]
4 Wenn man die Leitfähigkeitsvergleiche mit Lithium-NMR anstellt, so kann man sich eine fehleranfällige Normierung ersparen.
Leitfähigkeitsmessungen zeigten eine viel höhere Ionenleitung für die kubische Phase. Das bedeutet, dass die Galliumdotierung die kubische Phase stabilisiert und wie erwartet auch die Ionenleitung erhöht. Im Bereich der Raumtemperatur ist die Lithiumleitfähigkeit bei 1 10-4 S/cm und schwankt in diesem Bereich sogar zwischen 10-3 und 10-5 S/cm. Bei erhöhten Temperaturen von 400°C kann sogar eine Leitfähigkeit von 0.05 S/cm beobachtet werden. [26]
Sobald die Probe länger an der Luft steht, kommt es zu einem Einbau von H+ an den Lithiumstellen. Dadurch wird an diesen Stellen Li+ durch H+ ersetzt. Das Lithium verbleibt aber dennoch im Granat. Ein Aufheizen lässt die Gitterparameter ansteigen, anschließendes Abkühlen lässt sie überproportional abfallen. – Dies ist ein Indiz für den Verlust der H+ Ionen nach dem Heizschritt. Im Impedanzplot zeigen sich bei trockener Atmosphäre ein einziger Halbkreis, welcher dem Material selbst zugeordnet werden kann, sowie ein überlagerter Halbkreis, welcher dem Korngrenzenwiderstand zugeordnet wird. Dieser verschwindet aber bei nasser Atmosphäre zunehmend, was eine Einlagerung von H+ bedeutet, welche den Korngrenzenwiederstand herabsetzt. [26]
1.4.3 Shinawi und Janeck 2013 [27]
Es wird ein nasschemischer Ansatz(nasschemische Vorbereitung der Edukte) verwendet. In Abbildung 13 (r) ist ein grober Überblick der vorbereitenden Synthese zu sehen. Synthetisiert werden LLZO Proben mit einem Galliumanteil von jeweils 0.0, 0.1, 0.2, 0.3, 0.4, 0.5 pfu und 1.0 pfu. Das Pulver wird bei 550°C kalziniert und bei 1085°C gesintert. Die Proben mit dem Galliumgehalt von 0.0 pfu bis 0.3 pfu werden mit Röntgenbeugung untersucht und dadurch das Auftreten der kubischen Phase bestätigt. Ab einem Gehalt von 0.3 pfu Gallium bildet sich vermehrt die kubische Phase. Eine Verunreinigung (La2Zr2O7) tritt unter einem Galliumanteil von 0.3 (2θ = 28.7°) auf (Abbildung 13 (l)). [27]
Aufgrund des größeren Galliumions wird eine leicht höhere Gitterkonstante gefunden (12.983 Å). Aus den Rasterelektronenmikroskop- aufnahmen ist eine bessere Versinterung mit steigendem Galliumgehalt zu erkennen. Phasenreinheit wird bei einem Anteil von 0.3 pfu und 0.4 pfu Gallium erreicht. Bei Galliumüberschuss von 0.5 pfu und 1.0 pfu wird eine "glasartige" Nebenphase LiGaO2 in den Elektronenmikroskopaufnahmen an den Korngrenzen entdeckt. Diese Phase wirkt als Sinterhilfe und als Korngrenzenleiter. [27]
Die Nyquist-Diagramme weisen zwei Halbkreise auf. Wobei einer der Halbkreise der Materialimpedanz und der andere der Halbkreise dem Korngrenzenwiderstand bzw. dem Elektrodenwiderstand zugeordnet werden kann. Die Ionenleitfähigkeit wird mit in einer Größenordnung von 10-4 S/cm gemessen. Der LLZO Granat mit dem höchsten Galliumanteil zeigt die höchste Leitfähigkeit, und diese nimmt mit dem Galliumanteil zu. Der Arrheniusplot zeigt bei höherer Temperatur, wie zu erwarten, eine höhere Ionenbeweglichkeit. Die Aktivierungsenergie der Lithium-Diffusion liegt bei den niedrigen Galliumanteilen bei 0.32-0.36 eV und bei den höheren bei 0.37 eV. [27]
1.4.4 Rettenwander et al. 2013 [28]
Mit einer konventionellen Festkörpersynthese unter Luft und mit Lithiumüberschuss wurden LLZO Proben mit verschiedenem Galliumgehalt synthetisiert: Der Formelanteil an Gallium "gewollt/gemessen" aller 7 Proben war: 0.08/0.06, 0.016/0.015, 0.24/0.23, 0.36/0.36 pfu und 0.54/0.53 pfu und reicht damit in der Genauigkeit aus. Der Formelanteil an Lithium "gewollt/gemessen" ergab sich zu: 6.82/7.08, 6.55/6.50, 6.31/6.48, 5.92/5.93 pfu und 5.41/5.38 pfu. Unter einem Anteil von 0.16 pfu Gallium liegt die Gitterkonstante bei 13.034 Å, dann fällt sie auf 12.979 Å ab. Der Lanthangehalt hingegen war immer zu klein und dies könnte auf einen Messfehler oder eine Ersetzung von Lanthan durch Zirkon hindeuten. Nebenphasen treten erst bei 0.64 pfu Gallium auf. [28]
Alle Proben werden mit 71Ga MAS NMR untersucht. Das Signal- Rauschverhältnis nimmt mit dem Galliumanteil zu (Abbildung 14). Das unterste Spektrum ist ein Simulationsmodell von Gallium im LLZO-Granat. Bei einem Galliumanteil von 0.16 pfu ist nur ein Peak zu sehen. Die Resonanzfeinstrukturin den NMR-Spektren bei den Spektren 0.24-0.84 pfu wird durch die Quadrupolaufspaltung erzeugt. Der Asymmetrieparameter dieser beiden Peaks ist groß und deutet damit auf Gallium auf der 96h-Position hin. Eine genaue Interpretation der Feinstruktur und der Peakhöhenänderung bei 0.84 pfu bleibt noch offen. – Diese wechselt von einem Anteil von 0.72 pfu auf 0.84 pfu. Die Asymmetrieparameter ηQ und Kopplungskonsten CQ für die NMR-Resonanz bei 244 ppm sind: ηQ = 0.46 und CQ = 0.4.0. Aufgrund des hohen ηQ-Wertes wird die Resonanz bei 244 ppm der 96h Stelle zugeordnet. Es kann ein Beziehung zwischen der Galliumresonanz und der Aluminiumresonanz der 96h-Stelle angegeben werden: [28]
Gleichung 2
$\delta (^{27}Al)=\frac{\delta(^{71}Ga)+4.50(±4.90)}{2.83(±0.10)}$
1.4.5 Vernuy-Lopez et al. 2014 [29]
Bernuy-Lopez untersuchte Material der folgenden Zusammensetzung: La3Zr2Li7-3xGax□3xO12, wobei □ eine Leerstelle andeutet. Synthetisiert werden vier Proben mit eine Gehalt an Gallium von x = 0.0, 0.15, 0.20 pfu und 0.30 pfu über einen nasschemischen Syntheseweg unter Verwendung von Zitronensäure. [29]
Die Leitfähigkeitsmessungen zeigen zwei Halbkreise, wobei derjenige bei niedriger Frequenz den Korngrenzen und der bei höheren Frequenzen dem Materialwiderstand zugeordnet wird. Der Halbkreis bei hoher Frequenz wird dem Kontaktmaterial der Elektroden zugeordnet. Mit steigendem Galliumgehalt sinkt die Leitfähigkeit ab einem Schwellenwert erneut ab. Die höchste Leitfähigkeit liegt bei 2.2 10-3 S/cm bei 42°C. Die Aktivierungsenergie der Lithium-Diffusion liegt bei 0.3 eV. [29]
Um die Position des Galliums festzustellen wurde 71Ga MAS NMR- Spektroskopie durchgeführt. Die NMR-Spektren sind Abbildung 15 dargestellt, die Asymmetrieparameter und Quadrupolkopplungskonstanten sind in Tabelle 7 aufgelistet. Die Resonanz wird der 24d Stelle zugeordnet. [29]
| δiso | CQ | ηQ |
|---|---|---|
| 207 ± 10 | 12.7 ± 0.3 | 0.05 ± 0.05 |
1.4.6 Vergleich der Galliumartikel
Gallium ist größer als Aluminium und öffnet dadurch das Gitter besser, bzw. lässt die Gitterkonstante etwas ansteigen. Dies kann zu einer besseren Ionendiffusion durch den größeren Freiraum führen. Gallium fungiert sehr gut als Sinterhilfe. Der Effekt ist viel stärker als bei Aluminium. Dadurch steigt die gesamte Leitfähigkeit. Gallium bildet nützliche Nebenphasen an den Korngrenzen, welche die Lithiumleitung zusätzlich verbessern.
Gallium hält sich eher von den 24d-Gitterplätzen fern, während das Aluminium eher dazu neigt diese Plätze zu besetzten. Das heißt, das Gallium kann das Gitter genügend stark öffnen, so dass das die verbleibenden Aluminiumatome an den 24d Stellen nur aktivierende Wirkung für die Diffusion durch Leerstellen zeigen aber nicht die Kreuzungen der Kanäle blockieren.
Widersprüchlich wird der Effekt des H+ auf die Leitfähigkeit bewertet. Einerseits sprechen Howard et al. von einer Erhöhung der Leitfähigkeit durch H+, Bernuy-Lopez et al. sprechen von Verminderung der Leitfähigkeit. Klar ist aber, dass das Lithium durch Alterung durch H+ ersetzt wird, und sich dadurch auch der Gitterparameter ändert. Der Effekt sollte aber in einer fertigen nicht Luftbatterie keine Rolle spielen.
Tabelle 8 liefert nochmals einen Vergleich der NMR-Parameter aller Pub- likationen:
| δ [ppm] | ηQ | CQ | Zuordnung | |
|---|---|---|---|---|
| Wolfenstine et al. | - | - | - | - |
| Howard et al. | 221 | - | - | 24d |
| Shinawi et al. | - | - | - | - |
| Rettenwander et al. | 244 | 0.46 | 4.0 | 96h |
| Bernuy-Lopez et al. | 197-217 | 0.0-0.1 | 12-13.0 | 24d |
1.5 Ziele dieser Arbeit
Das Ziel dieser Arbeit ist die Herstellung von simultan mit Aluminium und Gallium dotierten Mischkristallreihen von LLZO (Li7−3(x+y)GaxAlyLa3Zr2O12) und die Verteilung und die Platzpräferenzen der Dotanden in Abhängigkeit des Aluminium-Gallium-Verhältnis und der gesamt Dotierungsmenge (x + y) zu untersuchen.
Grundsätzlich geht auch es auch darum die Mobilität des Lithiums in Relation zu der gesamten Menge der Dotierungsatome bzw. den Bruchteil von Aluminium und Gallium zu betrachten. Es sollte die vermehrte Besetzung der 96h Stelle und die verminderte Besetzung der 24d Stelle des Galliums dazu führen, dass die Kreuzungspunkte an den 24d Stellen nicht blockiert werden und sich dadurch eine höhere Leitfähigkeit ergibt. Festgestellt wird tatsächlich eine erhöhte Leitfähigkeit mit steigendem Gallumgehalt, die Theorie der blockierten Kreuzungen kann aber nicht bestätigt werden.
2 Methoden
In dieser Arbeit werden die Methoden der Festkörpersynthese, der Magnetresonanzspektroskopie NMR, der Röntgenpulverdiffraktometrie XRPD und der Rasterelektronenmikroskopie REM verwendet.
2.1 Synthese
Die Festkörpersynthese läuft in drei Schritten ab:
- Einwaage und Homogenisierung
- Verdichtung
- Sinterung
| Nummer | Bezeichnung | Menge |
|---|---|---|
| 1 | Waage | 1 |
| 2 | Mörser | 2 |
| 3 | Wiegepapier | ~10 |
| 4 | Wiegeschiffchen | ~40 |
| 5 | Spatel | 1 |
| 6 | Kugelmühle | 1 |
| 7 | Presse | 1 |
| 8 | Ofen | 1 |
Zur Synthese werden folgende Chemikalien verwendet (Tabelle 10):
| Nummer | Bezeichnung | Hersteller | Reinheit |
|---|---|---|---|
| 1 | Iso-Propanol | Aldrich | |
| 2 | Aceton | Aldrich | |
| 3 | Li2CO3 | Aldrich | 99.0% |
| 4 | La2O3 | Aldrich | 99.99% |
| 5 | ZrO2 | Aldrich | 99% |
| 6 | Ga2O3 | Aldrich | 99.99% |
| 7 | Al2O3 | Aldrich | 99% |
2.1.1 Einwaage und Homogenisierung
Mit einer analytischen Waage werden die stöchiometrischen Mengen in Wiegepapier oder Wiege-Schiffchen abgewogen. Aufgrund des Li-Verlust während des Sintervorganges werden 10 % Li-Überschuss in Form von LiCO3 eingewogen. Alles wird im Mörser vermischt und für 5 Minuten mit Iso-Propanol gemörsert. Dadurch werden eine homogene Verteilung der Edukte und eine möglichst einheitliche Korngröße erzielt. Alternativ kann eine halbe Stunde mit der Kugelmühle gemahlen werden. Dies wurde so nur zu Testzwecken, aber nicht für die Messreihen durchgeführt.
Sieben Mischkristallreihen von Li7−3(x+y)GaxAlyLa3Zr2O12 Granaten mit variierenden Mengen von x Ga und y Al und unterschiedlicher Gesamtdotierung werden eingewogen. Daraus ergeben sich 42 Zusammensetzungen (je 4g) mit den folgenden Summenformeln (Zur Vereinfachung werden die Summenformeln im weiteren Text mit GaxAly abgekürzt):
- Li6.4Ga0.2-yAlyLa3Zr2O12 → Ga0.2-yAly, mit y = 0.0—0.2,
- Li6.1Ga0.3-yAlyLa3Zr2O12 → Ga0.3-yAly, mit y = 0.0—0.3,
- Li5.8Ga0.4-yAlyLa3Zr2O12 → Ga0.4-yAly, mit y = 0.0—0.4,
- Li5.5Ga0.5-yAlyLa3Zr2O12 → Ga0.5-yAly, mit y = 0.0—0.5,
- Li5.2Ga0.6-yAlyLa3Zr2O12 → Ga0.6-yAly, mit y = 0.0—0.6,
- Li4.9Ga0.7-yAlyLa3Zr2O12 → Ga0.7-yAly, mit y = 0.0—0.7,
- Li4.6Ga0.8-yAlyLa3Zr2O12 → Ga0.8-yAly, mit y = 0.0—0.8.
Die Soll und die Ist-Einwaagen sind in Tabelle 11 und Tabelle 12 angegeben.
| Syn | Probe | La₂O₃ | ZrO₂ | Ga₂O₃ | Al₂O₃ | Li₂CO₃ |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Ga0.2Al0.0 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0750 | 0,0000 | 1,0404 |
| 1 | Ga0.1Al0.1 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0375 | 0,0050 | 1,0404 |
| 1 | Ga0.0Al0.2 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0000 | 0,0102 | 1,0404 |
| 2 | Ga0.3Al0.0 | 1,9549 | 0,9858 | 0,1125 | 0,0000 | 0,9916 |
| 2 | Ga0.2Al0.1 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0750 | 0,0204 | 0,9916 |
| 2 | Ga0.1Al0.2 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0375 | 0,0408 | 0,9916 |
| 2 | Ga0.0Al0.3 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0000 | 0,0612 | 0,9916 |
| 3 | Ga0.4Al0.0 | 1,9548 | 0,9860 | 0,1500 | 0,0000 | 0,9430 |
| 3 | Ga0.3Al0.1 | 1,9548 | 0,9860 | 0,1500 | 0,0000 | 0,9430 |
| 3 | Ga0.2Al0.2 | 1,9548 | 0,9860 | 0,1125 | 0,0204 | 0,9430 |
| 3 | Ga0.1Al0.3 | 1,9548 | 0,9860 | 0,0750 | 0,0401 | 0,9430 |
| 3 | Ga0.0Al0.4 | 1,9548 | 0,9860 | 0,0375 | 0,0612 | 0,9430 |
| 4 | Ga0.5Al0.0 | 1,9549 | 0,9868 | 0,2240 | 0,0000 | 0,8941 |
| 4 | Ga0.4Al0.1 | 1,9549 | 0,9868 | 0,1500 | 0,0200 | 0,8941 |
| 4 | Ga0.3Al0.2 | 1,9549 | 0,9868 | 0,1125 | 0,0410 | 0,8941 |
| 4 | Ga0.2Al0.3 | 1,9549 | 0,9868 | 0,0750 | 0,0610 | 0,8941 |
| 4 | Ga0.1Al0.4 | 1,9549 | 0,9868 | 0,0370 | 0,0820 | 0,8941 |
| 4 | Ga0.5Al0.5 | 1,9549 | 0,9868 | 0,0000 | 0,1020 | 0,8941 |
| 5 | Ga0.6Al0.0 | 1,9549 | 0,9858 | 0,2249 | 0,0000 | 0,8453 |
| 5 | Ga0.5Al0.1 | 1,9549 | 0,9858 | 0,1874 | 0,0204 | 0,8453 |
| 5 | Ga0.4Al0.2 | 1,9549 | 0,9858 | 0,1450 | 0,0408 | 0,8453 |
| 5 | Ga0.3Al0.3 | 1,9549 | 0,9858 | 0,1125 | 0,0612 | 0,8453 |
| 5 | Ga0.2Al0.4 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0750 | 0,0816 | 0,8453 |
| 5 | Ga0.1Al0.5 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0375 | 0,1020 | 0,8453 |
| 5 | Ga0.0Al0.6 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0000 | 0,1223 | 0,8453 |
| 6 | Ga0.8Al0.0 | 1,9549 | 0,9858 | 0,2249 | 0,0000 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.7Al0.1 | 1,9549 | 0,9858 | 0,1874 | 0,0204 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.6Al0.2 | 1,9549 | 0,9858 | 0,1450 | 0,0408 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.5Al0.3 | 1,9549 | 0,9858 | 0,1125 | 0,0612 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.4Al0.4 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0750 | 0,0816 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.3Al0.5 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0375 | 0,0600 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.2Al0.6 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0200 | 0,0400 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.1Al0.7 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0100 | 0,0200 | 0,8251 |
| 7 | Ga0.8Al0.0 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0000 | 0,0401 | 0,7478 |
| 7 | Ga0.7Al0.1 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0375 | 0,1430 | 0,7478 |
| 7 | Ga0.6Al0.2 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0750 | 0,1223 | 0,7478 |
| 7 | Ga0.5Al0.3 | 1,9549 | 0,9858 | 0,1125 | 0,1020 | 0,7478 |
| 7 | Ga0.4Al0.4 | 1,9549 | 0,9858 | 0,1500 | 0,0816 | 0,7478 |
| 7 | Ga0.3Al0.5 | 1,9549 | 0,9858 | 0,1874 | 0,0612 | 0,7478 |
| 7 | Ga0.2Al0.6 | 1,9549 | 0,9858 | 0,2250 | 0,0408 | 0,7478 |
| 7 | Ga0.1Al0.7 | 1,9549 | 0,9858 | 0,2624 | 0,0204 | 0,7478 |
| 7 | Ga0.0Al0.8 | 1,9549 | 0,9858 | 0,3000 | 0,0000 | 0,7478 |
| Syn | Probe | La₂O₃ | ZrO₂ | Ga₂O₃ | Al₂O₃ | Li₂CO₃ |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Ga0.2Al0.0 | 1,9545 | 0,9851 | 0,0763 | 0,0000 | 1,0408 |
| 1 | Ga0.1Al0.1 | 1,9555 | 0,9864 | 0,0388 | 0,0080 | 1,0404 |
| 1 | Ga0.0Al0.2 | 1,9543 | 0,9846 | 0,0000 | 0,0120 | 1,0411 |
| 2 | Ga0.3Al0.0 | 1,9558 | 0,9850 | 0,1125 | 0,0000 | 0,9916 |
| 2 | Ga0.2Al0.1 | 1,9549 | 0,9859 | 0,0751 | 0,0215 | 0,9920 |
| 2 | Ga0.1Al0.2 | 1,9539 | 0,9864 | 0,0370 | 0,0411 | 0,9914 |
| 2 | Ga0.0Al0.3 | 1,9550 | 0,9861 | 0,0000 | 0,0622 | 0,9912 |
| 3 | Ga0.4Al0.0 | 1,9558 | 0,9865 | 0,1498 | 0,0000 | 0,9438 |
| 3 | Ga0.3Al0.1 | 1,9553 | 0,9865 | 0,1498 | 0,0000 | 0,9425 |
| 3 | Ga0.2Al0.2 | 1,9555 | 0,9869 | 0,1126 | 0,0206 | 0,9427 |
| 3 | Ga0.1Al0.3 | 1,9555 | 0,9869 | 0,0757 | 0,0399 | 0,9427 |
| 3 | Ga0.0Al0.4 | 1,9540 | 0,9870 | 0,0367 | 0,0622 | 0,9438 |
| 4 | Ga0.5Al0.0 | 1,9554 | 0,9864 | 0,2230 | 0,0000 | 0,8940 |
| 4 | Ga0.4Al0.1 | 1,9550 | 0,9861 | 0,1500 | 0,0205 | 0,8947 |
| 4 | Ga0.3Al0.2 | 1,9539 | 0,9870 | 0,1121 | 0,0418 | 0,8942 |
| 4 | Ga0.2Al0.3 | 1,9558 | 0,9864 | 0,0752 | 0,0621 | 0,8941 |
| 4 | Ga0.1Al0.4 | 1,9560 | 0,9860 | 0,0377 | 0,0820 | 0,8939 |
| 4 | Ga0.5Al0.5 | 1,9559 | 0,9867 | 0,0000 | 0,1021 | 0,8948 |
| 5 | Ga0.6Al0.0 | 1,9558 | 0,9865 | 0,2250 | 0,0000 | 0,8453 |
| 5 | Ga0.5Al0.1 | 1,9549 | 0,9857 | 0,1870 | 0,0207 | 0,8453 |
| 5 | Ga0.4Al0.2 | 1,9540 | 0,9846 | 0,1120 | 0,0403 | 0,8450 |
| 5 | Ga0.3Al0.3 | 1,9539 | 0,9857 | 0,1128 | 0,0614 | 0,8459 |
| 5 | Ga0.2Al0.4 | 1,9545 | 0,9861 | 0,0758 | 0,0815 | 0,8457 |
| 5 | Ga0.1Al0.5 | 1,9558 | 0,9874 | 0,0376 | 0,1040 | 0,8445 |
| 5 | Ga0.0Al0.6 | 1,9550 | 0,9877 | 0,0000 | 0,1215 | 0,8443 |
| 6 | Ga0.8Al0.0 | 1,9549 | 0,9858 | 0,2249 | 0,0000 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.7Al0.1 | 1,9549 | 0,9858 | 0,1874 | 0,0204 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.6Al0.2 | 1,9549 | 0,9858 | 0,1450 | 0,0408 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.5Al0.3 | 1,9549 | 0,9858 | 0,1125 | 0,0612 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.4Al0.4 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0750 | 0,0816 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.3Al0.5 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0375 | 0,0600 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.2Al0.6 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0200 | 0,0400 | 0,8251 |
| 6 | Ga0.1Al0.7 | 1,9549 | 0,9858 | 0,0100 | 0,0200 | 0,8251 |
| 7 | Ga0.8Al0.0 | 1,9563 | 0,9845 | 0,0000 | 0,0438 | 0,7474 |
| 7 | Ga0.7Al0.1 | 1,9535 | 0,9857 | 0,0380 | 0,1437 | 0,7470 |
| 7 | Ga0.6Al0.2 | 1,9555 | 0,9860 | 0,0766 | 0,1210 | 0,7472 |
| 7 | Ga0.5Al0.3 | 1,9567 | 0,9843 | 0,1160 | 0,1020 | 0,7478 |
| 7 | Ga0.4Al0.4 | 1,9544 | 0,9863 | 0,1506 | 0,0818 | 0,7481 |
| 7 | Ga0.3Al0.5 | 1,9548 | 0,9862 | 0,1871 | 0,0601 | 0,7466 |
| 7 | Ga0.2Al0.6 | 1,9548 | 0,9859 | 0,2240 | 0,0413 | 0,7462 |
| 7 | Ga0.1Al0.7 | 1,9543 | 0,9844 | 0,2637 | 0,0208 | 0,7463 |
| 7 | Ga0.0Al0.8 | 1,9549 | 0,9853 | 0,3000 | 0,0000 | 0,7478 |
2.1.2 Verdichtung
Die Proben werden in einer Presse (Eigenbau) verdichtet. Die Presse besteht aus einem Wagenheber, welcher mit einem Presszylinder kombiniert ist. Der Presszylinder hat in der Mitte eine Bohrung, welche den Presskolben und den Gegenkolben beinhalten. In der nachfolgenden Abbildung 16 ist das Gerät schematisch dargestellt.
Durch Öffnen des Ventils am Wagenheber (6) in Abbildung 16 kann der Hubzylinder nach unten gelassen werden. Das Ventil kann sofort wieder zugedreht werden, um einen effizienten Arbeitsablauf zu gewährleisten. Wenn das System unter Druck steht, kann man die Schrauben des Gegenhalter-Arms (1) nicht öffnen. Der Gegenhalter-Arm wird weggedreht, sodann kann der Gegenkolben (2) entfernt werden und die Probe in den Presszylinder eingefüllt werden. Dann wird der Gegenkolben (2) aufgesetzt und der Gegenhalter-Arm (1) wieder zurück geschwenkt und fest geschraubt. Durch mehrmaliges Betätigen des Wagenhebers, also durch Hinunterdrücken des Hebels5, wird nun die Probe zwischen dem Gegenkolben und dem Presskolben verdichtet. Nach dem Pressvorgang wird der Wagenheber durch kurzes Öffnen des Ventils wiederum entspannt, dann wird der kleine Teil des Gegenhalter-Arms (in Abbildung 16 nicht dargestellt) weggedreht und eine „Klammer“ bzw. eine U-Form zwischen den Presszylinder (7) und den Gegenhalterarm (1) eingebracht. Durch erneutes Betätigen des Wagenhebers wird die gepresste Probe und der Gegenkolben aus dem Presszylinder herausgedrückt. Die fertiggepresste Probe kann in einem Stück, sprich in Tablettenform, abgenommen werden.
5 Gegebenenfalls muss der Hebel des Wagenhebers erst in diesen eingebaut werden.
2.1.3 Sinterung
Die Tabletten werden in den zur Verfügung stehenden Öfen gesintert. Da die Träger der Proben aus Al2O3 bestehen, werden die Proben auf reine LLZO- Granat-Tabletten gestellt, um eine etwaige Aluminium-Diffusion in die Proben zu vermeiden. In einer ersten Wärmebehandlung bzw. Entgasung wird 3 Stunden mit 5°C/Minute aufgeheizt und die Temperatur anschließend für 4 Stunden bei 850°C gehalten (Abbildung 17).
Im Entgasungsschritt tritt hauptsächlich CO2 aus dem Präparat aus. Dies hat eine Flusswirkung zur Folge, welche wie bei der Fluss-Synthese (Flux- Synthese) die Edukte durch die Konvektion der selbigen in Kontakt bringt, so dass sie leicht reagieren könne.
In einem zweiten Temperschritt bei 1050°C für 17 Stunden wird der Granat schließlich synthetisiert, also gesintert. Dabei verschwinden die meisten Poren durch die Sinterung und es bleibt ein fast nicht poröser Festkörper zurück. In diesem Schritt kann Zeit etwas gedehnt oder verkürzt werden, wichtig ist nur ein schnelles Abschrecken durch Entfernen der Proben bei 1050°C. Man erreicht also eine relativ rasche Abkühlung von 1050°C auf Raumtemperatur, dies wird "abschrecken" oder "quenchen" genannt. (Das Reaktionsprodukt wird sozusagen eingefroren und kann nicht mehr zu den Edukten zerfallen.) Die Pellets werden anschließend in Epoxidharz eingebettet und mit Diamantpaste und Schleifscheiben präpariert. Details zur Probenpräparation folgen im Appendix unter 8 Appendix - Proben Präparation.
2.2 Röntgenpulverdiffraktometrie XRPD
In dieser Arbeit wird hauptsächlich die Röntgenpulverdiffraktometrie unter Verwendung eines Einkreispulverdiffraktometers benutzt. Die Röntgenbeugung ist eine Standardmethode in den Materialwissenschaften und Chemie und wird daher nicht im Detail behandelt. Obwohl das Prinzip in die komplizierte Physik der Streutheorie hineinreicht und die Auswertung mittels Rietveldanalytik mathematisch sehr aufwendig ist wird auf eine genau Beschreibung dieser beiden Punkte verzichtet, weil Messungen mit Pulverdiffraktometern meistens elektronisch durch Software gesteuert und ausgewertet werden. Es wird nur grob auf das Prinzip eingegangen. In dieser Arbeit wird die Pulverdiffraktometrie hauptsächlich zur Bestimmung der Phasenzusammensetzung der Syntheseprodukte und ihrer Symmetrie verwendet. Der Aufbau der Messanordnung wird weiter unten gezeigt.
2.2.1 Röntgenbeugung
Röntgenstrahlen werden am Kristallgitter gebeugt. Dies ist analog zur Beugung von Licht an einer Blende mit Lochmustern. Das resultierende Bild ist die Fouriertransformierte des Lochmusters bzw. der Elektronendichte. In einem Kristall entspricht dann jeder Peak der Elektronendichte einer Netzebene oder dieser Netzebene selbst. Prinzipiell ergibt die Fourierrücktransformation dann die Elektronendichte des gemessenen Kristalls. – Diese wird meistens von digitalen Computern durchgeführt. Da aber bei der Beugung, also der Fouriertransformation, die Phase verloren geht ist die Auswertung etwas komplizierter als eine einfache Fourierrücktransformation. [39]
Die Intensitäten der Reflexe sind die Quadrate der Strukturfaktoren. In den Strukturfaktor fließen alle Wechselwirkungen des Atoms mit Röntgenstrahlung ein. Darunter auch der entsprechende Streuquerschnitt des Atoms. Da die Streuung in der Elektronenhülle passiert, ist die Form der selbigen für die Streuung von Bedeutung. Daher kommt der Name Formfaktor, der ein Teil des Strukturfaktors ist. [39]
Röntgenbeugung wird in dieser Arbeit verwendet um die Phasenreinheit und die Gitterparameter festzustellen. Die Berechnung der Fourierrücktransformation und damit der Elektronendichte wird nicht benötigt. Für genauere Informationen sei auf Redhammer et al. [39] verwiesen. Um den Zusammenhang zu dieser Arbeit herzustellen wird noch die Pulverdiffraktometrie besprochen:
2.2.2 Pulverbeugung
Bei der Pulverbeugung ist eine bestimmte Netzebene statistisch in alle Richtungen orientiert. Dadurch entsteht kein gebeugter Strahl sondern ein Beugungskegel, der auf einem die Probe umschließenden Röntgenfilm aufgezeichnet wird (Abbildung 18). [39]
Das zur Messung verwendete Bruker D8 Spektrometer arbeitet nach der Bragg-Brentano Geometrie. Diese Meß -Aufbau wurde erstmals 1925 von Brentano verwendet. [43] Man erreicht eine hohe Auflösung bei hoher Intensität. [44] Die Röntgenröhre steht dabei fest und die Probe wird um den Winkel θ und der Detektor um den Winkel 2θ gedreht. Dazu Abbildung 19.
Die Röntgenstrahlung entsteht in einer Röntgenröhre. In diesem evakuierten Glaszylinder werden Elektronen durch Hitze und eine hohe angelegte Spannung von der Kathode in das Vakuum zur Anode beschleunigt. Bei Auftreffen auf der Anode geht Energie durch die verschiedenen Wechselwirkungsprozesse in Form von charakteristischer Röntgenstrahlung und Bremsstrahlung verloren. [39]
In dieser Arbeit wird, wie schon erwähnt, keine Elektronendichte ermittelt. – Die Pulverdiffraktogramme werden lediglich dazu herangezogen, um die Phasenzusammensetzung und deren Symmetrie durch Vergleiche mit den bekannten Pulverdiffraktogrammen dieser Phasen aus der PDF Datei zu ermitteln und deren Gitterparameter zu bestimmen.
2.2.3 verwendeter Messaufbau
Messungen wurden mit einer CuKα Strahlung unter Verwendung eines Siemens Bruker D8 Diffraktometers durchgeführt. Die Daten wurden zwischen einem Winkel von 10° und 80° 2ϴ aufgezeichnet. Die Gitterkonstante a0 wurde mit Rietveldanalytik ermittelt und mit Bruker Topaz V2.1 verfeinert.
2.3 Rasterelektronenmikroskopie REM
Auch die Rasterelektronenmikroskopie ist vom Prinzip her so kompliziert wie die Magnetresonanzspektroskopie. Hier wird nur eine vereinfachte Beschreibung gegeben, da diese Messmethode in der Materialwissenschaft auch sehr verbreitet ist. Es wird kurz auf das Prinzip der Mikroskopie mit Elektronen und dann auf die Elementanalytik wie EDX eingegangen.
In einem Rasterelektronenmikroskop werden Elektronen anstatt von Photonen verwendet um die Probe zu begutachten. Die von beschleunigten Elektronen erreichte kurze Wellenlänge verbessert das Auflösungsvermögen entscheidend und kann Details sichtbar machen, welche in einem normalen Lichtmikroskop nicht sichtbar wären. Vom Rasterelektronenmikroskop abzugrenzen ist die Trans-missionselektronenmikroskop. Hier werden dünne Proben durchstrahlt während bei der REM hauptsächlich die Oberfläche der Proben untersucht wird. [45]
2.3.1 Linsensystem und Strahlerzeugung
Der Elektronenstrahl wird in einer Glühkathode ähnlich wie Röntgenstrahlung erzeugt. Dabei wird ein Wolframdraht/eine Wolframnadel erhitzt und durch das Anlegen einer sehr hohen Beschleunigungspannung (30kV) dazu gezwungen Elektronen in das umgebende Vakuum auszustrahlen. Es wird unteranderem auch der quantenmechanische Tunneleffekt angewendet. In kalten und heissen field emission guns werden Elektronen zum hinaus tunneln aus dem Material gezwungen. Das Resultat sind sehr genau definierte Wellenlängen, wodurch optische Fehler stark minimiert und die Auflösung bzw. das Bild optimiert wird. Das Vakuum ist meistens ein Hoch- oder Ultrahochvakuum. [45]
Die ganze Mikroskopsäule steht unter Vakuum. Nach dem der Elektronenstrahl die Anode passiert hat, wird er von einer oder mehreren Kondensorlinsen gebündelt. Durch eine Objektivlinse wird er schließlich auf die Probe fokussiert. Die Brechkraft der elektronmagnetischen Linsen lässt sich jeweils durch den Spulenstrom steuern. Ablenkspulen sorgen dann für eine Abrasterung der Probe. Je nachdem wie die Probe den Strahl rückstreut wird ein unterschiedliches Signal in den Detektoren gemessen und ein unterschiedliches Bild auf dem Schirm erzeugt. [45]
2.3.2 Detektoren
Um ein Bild der Oberfläche zu bekommen werden meistens Rückstreuelektronen detektiert. Die Intensität dieser Rückstreuelektronen ist von der Ordnungszahl der Elemente abhängig. Die Oberfläche lässt sich dann als je nach Graustufe in die vorherrschenden Elemente oder Verbindungen einteilen. Des Weiteren liefern die Rückstreuelektronen auch eine Oberflächentopographie, weil ihre Intensität auch von der Neigung der Flächen zum Detektor abhängen. [45]
2.3.2.1 Energie dispersive Röntgenanalyse (EDX)
Der Elektronenstrahl schlägt Elektronen aus den Kern-nahen Schalen des Atoms heraus. Ein Elektron aus den höheren Schalen besetzt die nun kurzzeitig leere Kern-nahe Schale. Der Energieverlust dieses Elektrons wird als charakteristische Röntgenstrahlung frei. Die Energie der Röntgenstrahlung wird dann durch Halbleiterdetektor oder Photoelektronenvervielfacher gemessen und kann einem ganz bestimmten Element zugeordnet werden. [45] EDX Messungen wurden durchgeführt, um die chemische Homogenität der Elemente La, Zr, Ga und Al in den Proben sicher zu stellen.
2.3.3 verwendeter Messaufbau
Die Rasterelektronenmikroskopaufnahmen wurden mit einem Zeiss Ultra Plus Gerät gemacht. Kleine polykirstalline Stücke wurden in Epoxid eingebettet und die Oberfläche geschliffen und mit Diamantpaste poliert. EDX Messungen wurden durchgeführt um die chemische Homogenität der Elemente La, Zr, Ga und Al in den Proben sicher zu stellen.
2.4 Magnetresonanzspektroskopie NMR
Um die Magnetresonanzspektroskopie verstehen zu können ist es zunächst nötig den dieser Messmethode zugrundliegenden physikalischen Effekt genauer zu betrachten. Auf diesem Wissen aufbauend kann dann die Messtechnik in ihren vielen technischen Details genauer beschrieben werden. Das Phänomen der Magnetresonanz ist grundsätzlich ein quantenmechanisches, aber es kann auch klassisch beschrieben werden. Im Anhang ist unter 7 Appendix - NMR eine genauere Beschreibung des physikalischen Effekts zu finden. NMR ist eine wichtige Methode in der Materialwissenschaft um die Kristallstruktur und Ionendiffusionswege aufzuklären, bzw. die elektronische Koordinationsumgebung eines Atoms herauszufinden.
Atomkerne sind grundsätzlich quantenmechanische Objekte. Aufgebaut werden sie aus Protonen und Neutronen. Da die Protonen positiv geladen sind ist auch der ganze Kern geladen. Nach der klassischen Vorstellung rotiert der Atomkern um seine eigene Achse und diese rotierende Ladung erzeugt ein magnetisches Moment. Zusätzlich hat der Atomkern auch einen „mechanischen“ Eigendrehimpuls. (Tatsächlich haben nicht alle Atom oder Isotope einen solchen von 0 verschiedenen Drehimpuls.) [33], [34], [35], [36], [37], [38]
Wird das Atom in ein externes Magnetfeld gebracht, so wird die Ausrichtung seines magnetischen Moments und des Eigendrehimpulses beeinflusst. Beide Größen versuchen sich entweder mehr anti-parallel oder parallel zur Feldrichtung auszurichten. Dabei kommt es nicht zu einer exakten parallelen oder anti-parallelen Ausrichtung, sondern zu einer Präzessionsbewegung des Spins um die Richtung des externen Magnetfeldes. Das Wasserstoffatom hat zwei Energieniveaus, eines mit hoher potentieller Energie anti-parallel zum Feld und eines mit niedriger potentieller Energie parallel zum Feld. Gallium und Aluminium sind Quadrupolkerne, diese haben jeweils zwei bzw. drei Energieniveaus parallel und anti-parallel zum externen Feld was in Summe vier bzw. 6 Energieniveaus sind. [33], [34], [35], [36], [37], [38]
Ein NMR Spektrometer besteht aus einem Kryomagneten. Dieser supraleitende Magnet erzeugt das externe Gleichfeld. Die Kammer in dem sich der Magnet befindet ist durch flüssiges Helium, flüssigen Stickstoff und dazwischen liegendes Vakuum von der Außentemperatur abgeschirmt. Im inneren des Messgerätes herrschen meistens um die 4K. Teure Geräte haben zusätzlich eine magnetische Abschirmung. Die Probe wird in einem Rohr in die Messkammer, welche vom Kryomagneten umgeben wird, abgesenkt und durch Druckluft in der passenden Höhe gehalten. Die Rotation der Probe für die MAS Technik6 wird auch durch Druckluft erreicht. Für die Erzeugung der Pulssequenzen können verschiedene Signalköpfe auf dem Ende des Rohres eingebaut werden. Es können auch verschiedene Messspulen zur Signalaufzeichnung eingebaut werden. [34], [35], [36], [37], [38]
Um NMR Spektren verschiedener Spektrometer vergleichbar zu machen, werden für die verschiedenen NMR Kerne immer die Frequenzverschiebungen in Bezug auf einen Standard angegeben. Ansonsten würde man verschiedenen Resonanzen messen, je nachdem wie stark der Kryomagnet ist. Je stärker der Magnet desto besser wird natürlich das Signal-zu-Rausch-Verhältnis. [33], [34], [35], [36], [37], [38]
Für NMR Messungen wird heute meistens das sogenannte Impulsmessverfahren verwendet. Dabei werden kurze Rechteckpuls eingestrahlt. Gemäße der Fouriersynthese enthalten diese Pulse mehrere Frequenzen. Genauso wie beim anschlagen einer Gitarrenseite wird also ein Frequenzspektrum auf die Seite bzw. auf die Probe aufgebracht. Die Probe nimmt ihre Eigenfrequenzen auf und beginnt nach dem Puls abzuklingen. Beim Abklingen relaxieren die transversal ausgelenkten Proben in einer Spiralbahn zurück in die Gleichgewichtslage, dabei geben sie Wärmeenergie und elektromagnetische Strahlung ab. Diese Strahlung wird in Messspulen detektiert und einer Fouriertransformation unterzogen. Die Frequenzverschiebungen in Bezug auf den Standard ist dann das sogenannte NMR Spektrum. (Im Standard hat der Atomkern eine definierte Umgebung und hat dadurch eine bestimmte Resonanzfrequenz.) [33], [34], [35], [36], [37], [38]
Die elektronische Umgebung der Atome verzerrt das Energieniveau, dies ist die potentielle Energie im externen Feld, des Kernspins in der Probe derart dass die Resonanzfrequenz einen anderen Wert als im Standard/der Referenz hat und dadurch eine "chemische" Verschiebung im ppm, also Faktor 10-6, zu erkennen ist (Gleichung 3). Die Verzerrung der Kernspinresonanzenergie kann durch mehrere Effekte hervorgerufen werden. Die wichtigsten sind: ringströme in Aromaten, magnetische Anisotropie der Nachbargruppen und polare Nachbargruppen. [33], [34], [35], [36], [37], [38]
Gleichung 2
$\delta =\frac{\upsilon _{Probe}-\upsilon _{Referenz}}{\upsilon _{Referenz}}$
6 MAS = magic angle spinning: Diese Methode reduziert gewisse Abschirmungsterme auf ein Minimum und verbessert dadurch die Auflösung der Messung. Genaueres, siehe Anhang NMR.
Durch quantenmechanische und skalare Spinkoppelung kann es zur Peakaufspaltung kommen. In diesem Fall wird ein Spin durch einen oder mehrere Nachbarspins derart in seiner potentiellen Energie entweder abgesenkt oder angehoben, dass die jeweiligen Übergänge nicht mehr äquidistant sind und dadurch aus einer Linie mehrere entstehen. Dieses Phänomen ist dann unbedingt in der Interpretation von verschiedenen Atomumgebungen zu unterscheiden. Durch Spinkoppelung können sehr komplexe Muster entstehen. [33], [34], [35], [36], [37], [38]
Werden Rechteckpulse mit verschiedenen Leerzeiten auf die Probe eingestrahlt, kann durch Fouriertransformation in dieser zweiten Zeitdomäne ein zweidimensionales Frequenzbild erstellt werden. In manchen Fällen wird dadurch die Auflösung erhöht, bzw. es ermöglicht einzelne Peaks genauer aufzulösen. In der zweidimensionalen NMR Spektroskopie können wichtige Erkenntnisse über die Asymmetrieparameter η und die Quadrupolkopplungskonstanten C gewonnen werden. Der Asymmetrieparameter η kann aus dem Feldgradiententensor EFG berechnet werden und gibt wichtigen Aufschlüsse über die Symmetrie des untersuchten Atoms. Das Kernquadrupolmoment kann eigentlich nur konsistent in quantenmechnischen Formeln erklärt werden. Dies übersteigt den Rahmen dieser Arbeit, eine intuitive Erklärung wird aber dennoch gegeben: [33], [34], [35], [36], [37], [38]
2.4.1 Kernquadrupolmoment
Aluminium und Gallium sind Quadrupolkerne. Sie haben ein Quadrupolmoment. Dies bedeutet zunächst anschaulich, dass die Ladungen des Kerns nicht kugelförmig, sondern in Form eines Rotationsellipsoiden verteilt sind. Dieser Rotationsellipsoid ist analog zum elektrischen Feldgradiententensor(EFG) zu sehen. Er ist die Hessematrix des Hamiltonoperators, also des Potentialoperators. Die Verzerrung, sprich Dehnung oder Stauchung, des Rotationsellipsoid und damit des EFG-Tensors hängt maßgeblich mit der elektronischen Umgebung des Atoms zusammen. In einem Wechselfeld oder einem Rechteckpuls kommt es genauso zu einer Anregung des Quadrupolmoments. Die Verschiebung der Resonanz gibt Auskunft über die Stärke der Kopplungskonstante. Diese bezieht sich auf die Quadrupolkopplung erster und zweiter Art. Mit ausgeklügelten Simulations- und Messtechniken kann man aber auch den Feldgradiententensor am Kernort berechnen und dadurch den Parameter η bestimmen und Aussagen über die Axialsymmetrie des entsprechenden Atoms machen. [33], [34], [35], [36], [37], [38]
Die Thematik benötigt sehr stark den Formalismus der Quantenmechanik. Dieser kann hier nicht berücksichtigt werden. Wichtig für diese Arbeit ist der Zusammenhang zwischen der Axialsymmetrie und dem Asymmetrieparameter η. Je höher η desto weniger axialsymmetrisch ist die Umgebung. Ist der Parameter η = 0, so liegt exakte Axialsymmetrie vor. [33], [34], [35], [36], [37], [38]
2.4.2 Drehung um den magischen Winkel (MAS)
Durch eine Rotation der Probe um den sogenannten magischen Winkel von 54.71° werden alle abschirmenden und entschirmenden Effekte bis auf Teile der Quadrupolwechselwirkung zweiter Art aufgehoben, so dass sich eine besonders gute Signalqualität in Bezug auf Rauschen und Auflösung ergibt. [33], [34], [35], [36], [37], [38]
2.4.3 verwendete Messmethode
27Al und 71Ga NMR Spektren wurden bei Raumtemperatur mit einem high performance Bruker Avance II 900 MHz Spektrometer aufgenommen. Das Spektrometer der National Ultrahigh-Field NMR Einrichtung in Ottawa ist mit einem Cryomagneten mit einer nominalen Feldstärke von 21.1 Tesla verbunden. 21.1 T beziehen sich auf eine Lamorfrequenz von ω0/2π 234.5 MHz für 27Al und 274.5 MHz für 71Ga. Alle Experimente wurden mittels MAS durchgeführt, dabei wurden die Drehraten von 25 kHz (für 27Al) und 30 kHz (für 71Ga) unter Verwendung von 2.5 mm Bruker H/X Proben verwendet. Die chemischen Verschiebungen (δiso) wurden auf eine 1 molare wässrige Lösung von Al(NO3)3 und Ga(NO3)3 referenziert. Die Spektren wurden mit einer Einzelpulsanregung aufgenommen; Die Pulslängen lagen bei 1.0μs (27Al) und 0.5 μs (71Ga).Für 27Al und 71Ga Messungen wurden die Wiederholungen auf 0.5 s bzw. 5 s gesetzt. Die 27Al Spektren wurden mit 640 bzw 11000 (Al0.4Ga0.0) Datenpunkten aufgenommen. 71Ga Spektren wurden mit 16000 bzw 32000 (Al0.0Ga0.4) aufgenommen. Mit der DMFit Software wurden die Linienformen simuliert und die chemischen Verschiebungen sowie die Kopplungskonstanten und Asymmetrieparameter angepasst.
3 Ergebnisse
4 Diskussion
6 Literaturquellen
7 Appendix - NMR
8 Appendix - Proben Präparation REM
Bachelorarbeit
Deckblatt Bachelorarbeit
Paris Lodron Universität Salzburg
Automatisierte Härteprüfung mit Methoden der Bildverarbeitung und der Computer Vision
Härteprüfung nach Brinell
Christian Arrer
25.04.2011
Eidesstattliche Erklärung
Ich erkläre ehrenwörtlich, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig und ohne fremde Hilfe verfasst habe, andere als die angegebenen Quellen nicht verwende habe und die den benutzten Quellen wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe.
Salzburg, am 22.05.11
Abstrakt
Ziel dieser Arbeit ist es ein Verfahren/ein Softwareprogramm zu entwickeln, welches die Durchmesser und den Ort von kreisrunden oder elliptischen Härteabdrücken in digitalen Bildern bestimmt. Die Software sollte Teil eines Härteprüfverfahrens sein. Dabei wird eine Sintermetallkugel in ein Material gedrückt und die Härte durch das Verhältnis von Eindruckfläche zu Eindruckkraft ermittelt. Als sehr erfolgreich hat sich die Verwendung des Daugman-Integro-Differential-Operators und des Template Matchings herausgestellt.
Abstract
The goal of this work is the development of a software, that detects the location and the radius of circular or slightly elliptic hardness testing impressions in material surfaces. The software should be part of a hardness testing system. Within this hardness testing machine a sphere of sintered metal is pressed in the material’s surface. Then the hardness value is calulated by the quotient of force and imprint surface area. The use of template matching inside the edge image and the use of Daugman’s integro differential operator have shown up as very successfull.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Härteprüfung
Unter Materialhärte versteht man den Widerstand, den ein Festkörper einer Kompression an einer bestimmten Stelle entgegensetzt.
Das Merkmal hart wird in der Technik zur Beschreibung unterschiedlicher Werkstoffeigenschaften benutzt. Allgemein wird der Werkstoffwiderstand gegen das Eindringen eines Fremdkörpers in den oberflächennahen Werkstoffbereich als Härte bezeichnet. Die Härte selbst wird nicht direkt gemessen, sondern aus primären Messgrößen wie Eindruckdurchmesser, Eindringtiefe und Prüfkraft ermittelt.
Da ein mechanischer Zusammenhang zwischen Härte und Festigkeit besteht, ist es in bestimmten Fällen möglich einen Zugversuch durch einfacher durchzuführende Härteprüfungen zu substituieren.
Viele Bauteile wie Achsen, Räder, Turbinenblätter und Wellen unterliegen einer großen Verschleißbeanspruchung. Bei diesen Bauteilen stellt die Härte die Verschleißbeständigkeit dar.
Grundsätzlich werden Bauteile meistens mit einer harten Oberflächenschicht und einer weicheren Innenschicht ausgelegt. In Folge dessen wird eine Unempfindlichkeit gegen Anrisse im Oberflächenbereich und eine hohe Beständigkeit des Werkstoffes erreicht. Äußere mechanische Kräfte werden durch den weichen Kern aufgenommen.
Die wichtigsten Härteprüfverfahren sind:
- Härteprüfung nach Brinell
- Härteprüfung nach Rockwell
- Härteprüfung nach Vickers
Die Brinellhärte wird als Verhältnis zwischen der aufgebrachten Prüfkraft und der Eindruck-Oberfläche des kalottenförmigen Eindrucks definiert. Wird das Brinellverfahren manuell durchgeführt und ausgewertet, so können Anwendereinflüsse nicht ausgeschlossen werden und es ergibt sich eine eingeschränkte Reproduzierbarkeit.
Um die Reproduzierbarkeit der Prüfergebnisse zu erhöhen und Anwendereinflüsse zu minimieren ist es entscheidend, die Prüfabläufe zu automatisieren. Daraus ergibt sich eine erhebliche Zeitersparnis und Kostenreduktion für die Werkstoffprüfung. Die automatisierten Prüfmessgeräte sind bereits mit automatischer Lastaufbringung und geschlossenem Regelkreis für die Laststeuerung ausgestattet. Die Geräte verfügen über einen Revolverkopf zum schnellen Prüfstempelwechsel, sowie eine Digitalkamera die es ermöglicht den Abdruck durch ein Mikroskop aufzunehmen, das Bild zu digitalisieren und computerunterstützt weiter zu verarbeiten.
Im Bereich der digitalen Weiterverarbeitung knüpft diese Arbeit nun an.
1.2. Methodik
Die digitalen Bilder des Prüfeindrucks werden in den Computer übertragen. Matlab- Programme werten diese Bilder anschließend aus. Die Software Matlab bietet Methoden für diese Arbeit. [1]
Die Programme basieren auf Methoden der Mathematik und der Informatik. Es werden zwei Ansätze zur Kreissuche programmiert. Beide Ansätze sind sogenannte brute-force- Verfahren [2]. Zum einen wird Template-Matching und zum anderen der Daugman- Integrodifferential-Operator verwendet. Der Daugman-Integrodifferential-Operator ist im Prinzip kein brute-force-Verfahren wird hier aber so eingesetzt. [3]
In beiden Programmen wird der Bresenham-Algorithmus zur effizienten Kreiszeichnung verwendet. [4]
Innerhalb des Template-Matching-Ansatzes kommt der Canny-Kantenerkennungs- Algorithmus zum Einsatz. [5]
In beiden Ansätzen wird CLAHE (Contrast-limited adaptive histogram equalization) bzw. Histogramm-Equalisierung zur Vorverarbeitung verwendet. [6] Um gewisse Bilder zunächst von Bearbeitungsspuren zu befreien wird die Fourier-Transformation und speziell die Fast-Fourier-Transformation verwendet. [7]
1.3. Aussage
Mit den zwei Hauptprogrammen, die implementiert werden, sind zum größten Teil gute Ergebnisse erreichbar. Das größte Problem liegt in der Vorverarbeitung. Es gibt keine sinnvolle Möglichkeit die Parameter des Canny-Edge-Detectors angepasst zu variieren. Des Weiteren wurde keine stabile Entscheidungsfindung für die Durchführung der kontrastadaptiven bzw. der normalen Histogramm-Equalisierung gefunden. Das bedeutet, die Histogramm-Equalisierung verbessert manche Bilder und verschlechtert andere.
2. zu verarbeitende Brinell-Bilder
Die Programme werden mit insgesamt 109 Beispielbildern getestet. Die wichtigsten Vertreter der Bilder werden nun angeführt. Die brisantesten Bilder sind diejenigen, in denen schwarze Bereiche des Hintergrundes in den schwarzen Abdruckbereich einfließen, sowie Bilder die konzentrische Kreise aufweisen, aber auch diejenigen bei denen sich die Schliffspuren in den Abdruck hinein fortsetzten. Am schwersten, oder gar nicht detektiert werden können Bilder bei denen der Kontrast zwischen Abdruck und Hintergrund extrem gering ist und zusätzlich viel dunklere oder heller Flecken auftreten. Zusätzlich können Bilder mit in höchstem Maße entstellter Kreisform auftreten. Leicht gefunden werden Bilder bei denen der Kontrast zwischen Abdruck und Umgebung sehr hoch ist, bzw. der Abdruck schwarz ist und die Umgebung irgendein Muster hat.
3. Recherche in Sammlungen bestehender Implementierungen von Bildsegmentierungsverfahren
Im Rahmen dieser Arbeit wird eine Suche nach Bildsegmentierungsprogrammen im Internet gestartet. Auf MatlabCentral werden über 16 Programme gefunden, des Weiteren wird die OpenCV-Bibliothek untersucht.
Von den analysierten Segmentierungsverfahren werden hier drei Exemplare vorgestellt und genauer beschrieben.
3.1. Texture Segmentation using GaborFilters and K-means Clustering
Es handelt sich um eine Matlab Implementierung von Natoshi Seo. Das Progamm ist innerhalb eines Kursprojekts an einer Universität entstanden. Durch das Auftreten der verschiedenartig texturierten Metalloberflächen ist dieses Programm durch Suche in diese Richtung entdeckt werden. Gabor-Wavelets können auf Raumfrequenzen von Texturen abgestimmt werden und somit kann der Ort und die Ortsfrequenz festgemacht werden. [8] [9] [10] [11]
3.1.1. Algorithmus
Der Algorithmus steht in Verbindung mit den frühen Stufen der menschlichen Texturwahrnehmung und ist grob an diese angelehnt. Das Programm läuft in 3 Schritten ab.
- Das Eingabebild wird mit verschiedenen Gaborfiltern in Antwortbilder zerlegt. (Gaborwavletfilter)
- Die Features der Textur werden extrahiert. (Feature Extraction)
- Die Texturpixel können mit verschieden Clusteralgorithmen gruppiert werden. (K-means Clustering)
3.1.1.1. Gaborwaveletfilter
Ein Gaborfilter besteht aus einer elliptischen Gauss‘schen Glockenkurve, auf die ein Sinus/Cosinus auf moduliert wird. In der Raumdomäne ist ein Gaborfilter durch folgende Formel beschrieben (Gl. 1).
Gl. 1
$g(\gamma , \lambda, \sigma, \theta, x, y)=exp \ \left(-\frac{\acute{x}^2 +\gamma ^{2} \acute{y}^2 }{2\sigma ^{2} } \right) \cos \left(2\pi\frac{\acute{x} }{\lambda } +\psi \right)\\
\acute{x}=x\cos \left(\theta \right)+y\sin \left(\theta \right) \\
\acute{y}=y\cos \left(\theta \right)-x\sin \left(\theta \right) \\
\lambda ...Wellenlänge\ des\ Kosinus\\
\theta ...Ausrichtung\ der\ Normalen\ zu\ den\ Kosinusstrahlrichtungen\\
\psi ...Phasenverschiebung\ in\ Grad\\
\sigma ...Standardabweichung\ der\ Gaussfunktion\\
\gamma ...lineare\ Exzentrizität\ der\ Guassfunktion\\$
Um eine Halb-Antwortbandbreite von einer oder mehreren Oktaven (Frequenzverhältnis 1:2) sicherzustellen wird der Parameter σ an die Wellenlänge λ angepasst. Die Anpassung ist der Erkennungsbandbreite von einfachen Zellen für hemmende und anregende Streifenzonen nachempfunden. Die Formel hierfür lautet wie folgt (Gl. 2).
Gl. 2
$\sigma=\frac{1}{\pi}\sqrt{\frac{ln2}{2}}\frac{2^b+1 }{2^b-1} \lambda $
Die Ausrichtung des Gaborfilters wird, wie in (12) vorgeschlagen, auf die Winkeln 0°, 30°, 60°, 90°, 120° und 150° gestellt. Die Frequenzen $f=\frac{1}{\lambda{}}$ durchlaufen folgende, wie in (13) angegebenen, Werte (Gl. 3).
Gl. 3
$f_{L}\left(i\right)=0.25-\frac{2^{i-0.25}}{n_{c}} \\
f_{H}\left(i\right)=0.25+\frac{2^{i-0.25}}{n_{c}} \\
i=1,2,...,log_{2}\left(\frac{n_{c}}{8}\right) \\
n_{c}...Bildhöhe, sollte\ eine\ Zweierpotenz\ sein$
3.1.1.2 Feature Extraction
Die Filter erzeugen Ergebnissbilder die noch nachbearbeitet werden müssen. Die Werte werden zuerst durch den Tangens Hyperbolicus gesättigt und dann mittels eines Gaussfilters geglättet. Die Standardabweichung des Gaussfilters wird auf σ = 3 ∗ σs gesetzt, wobei σs der Größenparameter des Gaborfilters ist.
3.1.1.3 K-means Clustering
Es könnten verschiedene andere Clustering-Algorithmen zum Einsatz kommen, hier wird der k-means Algorithmus verwendet. Der k-means Algorithmus läuft wie folgt ab:
- Die Zentroiden der Cluster werden per Zufall initialisiert.
- Alle Datenpunkte werden zu am nächsten liegenden Zentroiden gruppiert. (euklidische Metrik)
- Die Zentroiden werden durch die so entstandenen Gruppen neu berechnet.
- Wenn die Zentroiden sich nicht mehr ändern, dann endet der Algorithmus, ansonsten fängt er wieder mit Schritt 2 an.
3.1.2 Testergebnisse
Um das Programm zu testen müssen die Bilder auf eine Höhe von 256 verkleinert werden, da ansonsten die Berechnung zu lange dauert. Die Segmentierung funktioniert bei Bildern, in denen sich der Abdruck Textur-mäßig gut von der Metalloberfläche unterscheidet, gut. In Bildern in denen die Texturen beider Bereiche fast identisch sind kommt es zu falschen Ergebnissen. Wie vorher schon erwähnt, kann sich die Segmentierung desselben Bildes durch die zufällige Initialisierung der Cluster bei erneuter Bearbeitung ändern. Das Problem liegt auch bei der Variation der Filterparameter. Tatsächlich handelt sich um ein allgemeines Bildsegmentierungsprogramm, in dem die Kreisform nicht berücksichtigt wird. Die Kreisform ist aber die am besten vorhandene Eigenschaft in den Testbildern. Der Algorithmus hat auch Probleme bei den Texturgrenzen. Nachfolgende Tabelle 1 zeigt ein gutes und ein schlechtes Ergebnis.
| erfolgreiche Segmentierung | |
|---|---|
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| gescheiterte Segmentierung | |
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Eine Möglichkeit dieses Verfahren zu verwenden liegt in einer Kombination mit Kanteninformationen. Das Verfahren könnte möglicherweise verwendet werden um mit dem Daugman-Integro-Differential-Operator gefundene Kreise auf Plausibilität zu prüfen.
3.2. Region-Growing
Es handelt sich bei diesem Programm um eine Matlab Implementierung von Dirk Jan Kroon von der Universität Twente. Das Programm lässt einen Bereich ausgehend von einem Punkt wachsen. Die Funktionsweise des Programms sowie die Ergebnisse der Anwendung auf die Brinellbilder wird nun kurz dargestellt.
3.2.1 Algorithmus
Das Programm startet mit einem Seedpoint, dabei handelt es sich um irgendeinen vorgegebenen Startwert des Bereichswachstums. Anschließend werden die Nachbarn der Region bestimmt. Derjenige Nachbarpixel mit der geringsten Abweichung zum Mittelwert der Region-Helligkeit wird der Region einverleibt. Sobald sich der Bereich vergrößert hat muss der Helligkeitsmittelwert neu berechnet werden. Falls alle Randpixel über einen gewissen Schwellwert vom Regionsmittelwert der Helligkeit abweichen bricht das Wachstum ab. Das Programm endet auch dann, wenn das ganze Bild ausgefüllt worden ist. Die Software benötigt beim Start die Koordinaten des ersten Seedpoints.
3.2.2 Testergebnisse
Für manche Bilder funktioniert das Verfahren gut. Das Problem ist unteranderem die Wahl des Startpixels. Am besten wäre es den Start im Abdruck zu wählen, was aber ohne vorherige Einschränkung des Abdrucks nicht möglich ist. Das Programm könnte auch dahingehend verändert werden, dass der gesamte Bildrand als Startbereich verwendet wird. Ein weiteres Problem ist die automatische Wahl des Abbruchschwellwerts. Bei großen Bildern ist das Verfahren sehr langsam. Nachfolgend werden nochmals Segmentierungsergebnisse gegenübergestellt (Tabelle 2).
| erfolgreiche Segmentierung | |
|---|---|
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In Bildern in denen sich der Abdruck gut von der Oberfläche unterscheidet, lässt sich ein gutes Segmentierungsergebnis erzielen. Das rote Kreuz markiert den Starpixel. Das Problem liegt bei der Wahl des Abbruchschwellwerts. |
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Am besten ist es den Abdruck zu treffen. Wenn sich dieser Bereich gut von der Umgebung abhebt und einigermaßen gleichmäßig ist, dann lässt sich eine gute Segmentierung erreichen. Die Segmentierung ist besser als wenn der Seedpoint in der Umgebung liegt. |
| gescheiterte Segmentierung | |
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In Bildern in denen der schwarze Abdruckbereich mit dem Hintergrund zusammenfließt, schlägt das Verfahren fehl. Wie weit die Region in die Umgebung ausrinnt hängt vom gewählten Abbruchschwellwert ab. |
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Das Verfahren funktioniert auch bei Bildern mit schlechtem Abdruck Hintergrund kontrast nicht. Gerade bei solche Aufnahmen macht es keinen Unterschied, ob das Verfahren im Abdruck oder in der Umgebung startet. |
3.3. Statistical Region Merging
4. Zusammenfassung in den implementierten Programmen verwendeten Algorithmen
5. Eigene Programm Implementierungen
6. Diskussion
7. Literaturverzeichnis
8. Programmtextanhang
Status: abgeschlossen mit viel zu viel gutem Willen meiner Betreuer


bachelor-thesis.pdf






